Eisdielen in München – meine fünf Orte der süßen Versuchung

Vor ein paar Monaten lief ich durch Zufall einer ehemaligen Kollegin über den Weg. Wir hatten uns mindestens zwei Jahre nicht gesehen. Ihre ersten Worte waren: „Von dir sehe ich ja immer nur Kuchenfotos auf Facebook.“ Ja, ich gebe zu, ich esse gerne, Herzhaftes und Süßes. Ein Wochenende ohne Kuchen ist für mich kein Wochenende. Und: ich liebe Eis. Sobald die Lebkuchen aus den Theken der traditionellen italienischen Eissalons mit den in jeder deutschen Klein- und Großstadt gleich lautenden Namen „Rialto“, „Venezia“ und „Adria“ verschwinden, beginnt für mich die Eissaison. Egal, ob der Frühling sich mit verheißungsvollen 25 Grad und Flip-Flop-Wetter von seiner besten Seite zeigt oder die gestrengen Herren der Eisheiligen eigentlich nach einem Glühwein verlangen. Es hat mich daher in den letzten Tagen auch in keinster Weise gestört, dass sich der Hauch von Frühsommer schon wieder verabschiedet hat und ich mich zum Teil bei 12 Grad und Regen durch meine Lieblingseisdielen in München geschleckt habe.

trampolin – Kumquats haben ganz viele Vitamine

Mein persönlicher „Eiscreme-Trail“ beginnt fast bei mir vor der Haustür in Schwabing. Ich muss mich nur auf’s Fahrrad schwingen und zum Kurfürstenplatz radeln, genauer gesagt zum nördlichen Ende der Nordendstraße. Mit den knallbunten Tischen, dem mit bunten Zeichnungen zugeklebten Schaufenster und dem ebenso bunten Schriftzug mit den hüpfenden Buchstaben erinnert das trampolin aus der Ferne zunächst an ein Kinderparadies. Das kleine Eiscafé von Stefano Santini ist aber auch ein Paradies für Erwachsene. Egal, ob klassische Sorten wie Vanille, Schokolade und Erdbeere oder ausgefallenere Varianten wie Ziegenkäse-Waldfrucht, Zitrone-Minze-Ingwer oder Spargel-Crème-Brûlée — der Geschmack ist einfach sensationell.

trampolin-schild

trampolin-safrancreme

Ich entscheide mich für einen Traum in Gelb: eine Kugel Safrancreme mit getrockneten Aprikosen und Pinienkernen und eine Kugel Kumquat. Während das Safraneis schön cremig-süß auf der Zunge zergeht, schmeckt das Kumquateis mit seinen kleinen Fruchtstücken herb-süß-sauer, wie eben die Zwergorange so schmeckt. Ein schlechtes Gewissen, den fünften Tag in Folge mit einem Eis in den Nachmittag zu starten, habe ich nicht. Kumquats haben schließlich einen extrem hohen Vitamingehalt! Außerdem werden im Eislabor des trampolin ausschließlich Biozutaten verwendet. Ungefähr alle zehn Tage kommen neue Sorten in die Theke. 1,20 Euro für eine Kugel sind für die Qualität und für Münchner Verhältnisse okay. Witzig: Wer kein Kleingeld hat und weiß, dass er öfters wiederkommen wird, kann im Voraus bezahlen und sein Kontingent im Laufe des Sommers „abschlecken“. Auf der Tafel hinter der Theke ist zwar nicht mehr viel Platz für weitere Namen, aber vielleicht überlege ich mir das noch mit einem Eisabo.

trampolin – il gelato di stefano santini
Nordendstraße 62
Schwabing

Gelato Bartu – nicht gequetscht, dafür gerührt und gespachtelt

Sich die Kugel geben ohne Reue kann man auch im Gelato Bartu, dem Eiscafé des ehemaligen Schuhdesigners Thomas Bartu in der Wilhelmstraße. Hier sind nämlich auch alle Zutaten „Bio“, wie man auf den Plakaten an den Wänden lesen kann: Bio Frischmilch, Bio Frischsahne, Bio Rohrzucker, Bio Agavenextrakt, Bio Guarkernmehl, Bio Pistazienmark, … Das gibt mir ein gutes Gefühl, nach einem ausgiebigen Samstagsfrühstück und einem Zwischenstopp im benachbarten Kaisergarten doch noch ein Eis zu essen. Leider kann man sich das Eis nicht anschauen, die 24 glänzenden Töpfe sind alle mit einem Deckel verschlossen.

bartu-fassade

bartu-schilder

Ich wähle Caramel au beurre salé, meine Freundin Ute New York Cheesecake. Wir finden noch einen freien Tisch an der Straße, im Gegensatz zu den meisten Eisdielen darf man hier auch das Eis in der Tüte im Sitzen essen und wird nicht verscheucht. Wir müssen uns jedoch etwas beeilen mit dem Essen, da der Genuss schon leicht davon schmilzt. Das Eis bei Bartu wird in dem Container nämlich einmal kräftig durchgerührt, bevor es wie in Italien kunstvoll auf die Waffel gespachtelt wird. Das soll das Eis etwas erwärmen, damit sich der Geschmack besser entfaltet. Der enttäuscht uns tatsächlich nicht. Auch wenn wir uns angesichts der stolzen 1,70 Euro pro Kugel wehmutig an die Zeiten erinnern, als die Kugel noch 30 Pfennig kostete und wir uns mit einem Einmarkstück in der Hand locker durch drei Eissorten probieren konnten.

Gelato Bartu
Wilhelmstraße 23
Schwabing

Gelateria Adria – Siebziger-Jahre-Rimini-Feeling

In frühere Zeiten zurückversetzt fühle ich mich bei Maria Teresa Santoro in der Türkenstraße. Die Gelateria Adria kommt ohne wilde Geschmackskreationen aus. Auf der Tafel im Schaufenster, die vom Design her gut und gerne aus den Anfängen der traditionsreichen Eisdiele 1958 stammen könnte, stehen Sorten wie Vanille, Schokolade, Haselnuss, Walnuss und Malaga. Aber es gibt auch Panna Cotta, Zimt und Cookies. Die Schlange auf der Straße ist lang, auf der Steinmauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen die Flaneure mit ihren Eistüten. Ich ergattere einen freien Platz an einem der Tische auf dem Gehsteig. Bananensplit, Coppa Amarena, Coppa Ananas mit „Tropicalsauce“, Pizzaeis, Spaghettieis, hier werden die Träume meiner Kindheit wahr! Der Coppa Teresa, ein Rieseneisbecher mit Bananen, Heidelbeeren, Obstsalat und Aprikosenlikör, ist nach der Besitzerin benannt, erzählt mir der Kellner, der sich als ihr Bruder herausstellt.

adria-straße

adria-spaghettieis

Ich lasse mich von den Eisschalen des Pärchens am Nebentisch inspirieren, auch wenn sie nicht ganz aufgegessen haben. „Nehmen Sie das große Spaghetteis, das reicht bis morgen“, sagt er zu einem Wartenden in der Schlange. Ich nehme das kleine Spaghettieis und arbeite mich langsam von der mit weißen Schokoraspeln bedeckten Erdbeersoße über das Vanilleeis zu dem gefrorenen Sahnekern vor. Im Vergleich zu meinen anderen Eisdielenfavoriten fällt das Eis geschmacklich zwar deutlich zurück, aber wer wie ich auch ab und zu auf Siebziger-Jahre-Adria-Urlaubs-Atmosphäre steht, ist hier genau richtig.

Gelateria Adria
Türkenstraße 59
Maxvorstadt

Eismeer – vegane Köstlichkeiten und fruchtiges Sorbet

Für eine wahre Geschmacksexplosion radele ich weiter ins Glockenbachviertel und tauche ein ins Eismeer in der Pestalozzistraße, wo ich übrigens mein ersten veganes Eis gegessen habe. 128 Sorten hat dieser kleine, feine Laden insgesamt im Programm, jeden Tag stehen etwa zwölf zur Auswahl. Obwohl ich die Fürst-Pückler-Kombination Schokolade, Erdbeere und Vanille eigentlich überhaupt nicht mag, entscheide ich mich für etwas ähnliches: Pure-Choco, vegan und mit 70 Prozent Schokoladenanteil, Erdbeer-Holunder als Sorbet und Mohn, für 1,40 Euro die Kugel. Es hätte auch Vanille geben, genauer gesagt Steirische Vanille mit Kürbiskernöl, die hebe ich mir für das nächste Mal auf. Genau wie das verlockend-cremig aussehende New-York-Cheesecake-Eis.

eismeer-fassade

eismeer-eis

Die Eismacher vom Eismeer setzen auch auf frische, ausgewählte Zutaten. Fett wird nur in ganz kleinen Dosen verwendet, da es den ursprünglichen Geschmack nicht übertünchen soll. Tatsächlich schmeckt die Erdbeere nach Erdbeere und schokoladiger könnte das Pure-Choco-Eis nicht sein. Ich frage, wie das Rosenblättereis in der Vitrine zubereitet wird. Dafür werden die Rosenblätter ausgekocht. Man könne aus allem Essbaren Eis machen, sagt mir der Eismeister. Im Eismeer gibt es übrigens auch frische belgische Waffeln, der Duft hängt mir noch immer in der Nase. Ich bleibe jedoch standhaft und nehme „nur“ einen Cappuccino zum Nachtisch.

Eismeer – eis und mehr
Pestalozzistraße 21
Glockenbach

Jessas – göttliches Eisvergnügen

Ein paar Straßen weiter wartet die nächste Offenbarung. Himmlische Eiskreationen schlummern in der Vitrine des Jessas in der Klenzestraße, die Jesusfigur hat dabei alles im Blick. Für 1,20 wandert eine Kugel Zitrone-Basilikum in den knusprigen Waffelbecher, die ich bei einem Spaziergang durch’s Viertel löffele. Sehr frisch, sehr zitronig, einfach erfrischend. Und da es sich um ein Sorbet handelt, fühlt es sich irgendwie leichter an als ein Milcheis. Jeden Tag gibt es zwölf andere Sorten beim kleinen Bruder von Maria und Josef. Beim nächsten Besuch werde ich mal die Hausmarke Jessas probieren, Chai Latte.

jessas-theke

jessas-eis

Jessas
Klenzestraße 97
Glockenbach

„Best of the rest“ – Sarcletti, Ballabeni und der verrückte Eismacher

Ein Münchner „Best of“-Eisdielen-Überblick ist natürlich nicht vollständig, ohne zumindest drei weitere Namen zu erwähnen: die Eisdiele mit der längsten Tradition, die Eisdiele mit der längsten Schlange und die Eisdiele mit den verrücktesten Eissorten.

Nach Neuhausen verschlägt es mich nicht so häufig, aber wenn ich dort unterwegs bin und sich der Eishunger breit macht, ist das Sarcletti meine erste Anlaufstelle. Natürlich wegen des exzellenten Rufs und der Tradition – schon 1879 hat der gelernte Hufschmied Peter Paul Sarcletti das erste Eis verkauft -, aber auch, weil das Eis wirklich hervorragend ist. Die Qual der Wahl ist groß – von fruchtig-scharfem Ananas-Chili über karibische Cocosmilch-Limette bis zu beschwipstem Champagner und Aperol Spritz gibt es hier für jeden Geschmack etwas. Für Vielschlecker gibt es hier übrigens die „Eiscard“.

eisboxen

Ein wenig Geduld mitbringen muss man für das Ballabeni in der Theresienstraße gegenüber dem Museum Brandhorst. Das Eisparadies von Giorgio Ballabeni gilt deutschlandweit als beste Eisdiele Münchens. Das Geheimnis: Beste Inhaltsstoffe und ausgefallene Sorten, die den Geschmacksnerv garantiert zum Jubeln bringen. Die Eiskreationen wie Milch-Feige, Schoko-Ingwer oder Joghurt-Orange sind mindestens genauso berühmt wie die lange Schlange, die an einem heißen Sommertag die Türkenstraße hinunter um die Kurve gehen kann. Aber irgendwie geht es dann doch immer recht fix, bis man an der Reihe ist und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

ballabeni-straße

Dass man tatsächlich alles Essbare zu Eis verarbeiten kann, dafür steht Der verrückte Eismacher in der Amalienstraße. Neben gewöhnungsbedürftigen Geschmacksrichtungen wie Lachs, Weißwurst, Döner, Leberwurst, Obazda, Käsespätzle, Augustiner oder je nach Saison sogar Maximator Starkbier gibt es auch andere kreative Kombinationen, die mich persönlich mehr ansprechen, zum Beispiel Apfelmus-Pfannkuchen, Blaubeer-Kokos-Peanut, Lindt Weiße Schoko mit Mandeln. Vielleicht würde ich mich sogar an Birne Parmesan und Walnuss Rucola trauen.

Wie gut, dass die Eissaison noch ein paar Monate dauert und ich noch ausreichend Zeit habe, mich durch die vielen, noch unentdeckten Eissorten durchzuprobieren. Wahrscheinlich brauche ich danach eine Mitgliedschaft bei den Weight Watchers, aber vielleicht hilft’s ein wenig, wenn ich meinen „Eiscreme-Trail“ immer mit dem Fahrrad zurücklege …

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oh, meine Güte!
    Wie kann man/frau die Eisdiele „Florenz“ im Westend nicht erwähnen, inder bekannterweise inzwischen das allerleckerste und reinste Eis von München hergestellt wird. MamaMia
    Also nichts wie hin! Tulbeckstraße-Eisdiele“FLORENZ“ – Bester TIPP

  2. Schade. Ziemlich einseitig, denn es wurde offenbar nur in den hippen Vierteln geschaut. München umfasst auch Freimann, Giesing, die Au, Ramersdorf, Neuhausen, etc. pp und auch dort gibt es Eisdielen….

  3. Pingback: Vegan in München › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  4. Pingback: Sommer in München! Hier findet Ihr Abkühlung! › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  5. Pingback: Warum ich meinen Urlaub am liebsten daheim in München verbringe › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  6. Pingback: 10 Dinge, die Sie über Münchner Bier noch nicht wussten › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  7. Wow, das sind wirklich tolle Empfehlungen, die ich noch nicht kenne. In der Liste sollte aber noch Gelato Naturale als 6. Weniger Experimente und mehr Fokus auf eine Geschmacksexplosion- das schaffen nicht alle Eisdielen.

  8. Pingback: München ist mehr! Bloggerin auf Entdeckungsreise durch München › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  9. Pingback: Oh Eiszeit - unsere 5 liebsten (Traditions-)Eisdielen in München › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  10. Pingback: 7 Erlebnisse, die den Sommer in München unvergesslich machen › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  11. Pingback: Für Frühaufsteher: Die besten Frühstückstipps in München › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  12. Der Artikel ist ja schon etwas älter. Bei uns im Lehel hat diesen Sommer (2015) direkt am Englischen Garten die Bayerische Eismanufaktur aufgemacht. Diese Eisdiele ist mein persönlicher Geheimtip und definitiv einen Besuch wert. Mir persönlich gefallen die etwas ausgewöhnlichen Eissorten.

  13. Pingback: 2016 - ich freue mich drauf! persönlich höhepunkte des Jahres › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

  14. Pingback: Heiß auf Eis: 5 Eisdielen in München und ihre süßen Geheimnisse › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

  15. Pingback: Eis gegen heiß: München und seine Eisdielen › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

  16. Pingback: Fünf "Nur in München"-Orte, die unsere Autorin vermisst... › Blog muenchen.de - Geschichten aus unserer Lieblingsstadt

Kommentar verfassen