Muss man in den Ferien immer verreisen? Von Schwabing übers Lehel an die Isar, ein Urlaubstag in München.

Wer schon einmal in meinem Blog Travelling the World gestöbert hat, weiß, ich bin ein Reisefreak. Wenn ich Urlaub habe, bin ich in der großen, weiten Welt unterwegs.

Einfach einen kostbaren Urlaubstag herzunehmen, um mich in der eigenen Stadt zu erholen, kommt bei mir selten vor. Der letzte „Urlaub dahoam“ muss vor mehr als zehn Jahren gewesen sein. Und wenn ich mal einen Tag während der Woche frei nehme und draußen die Sonne lacht, zieht es mich hinaus ins Blaue oder Grüne, an den See oder in die Berge. Wenn schon nicht im Indischen Ozean paddeln oder im Himalaya den Yaks beim Grasen zusehen, dann zumindest am Starnberger See die Füße im Kiesstrand verbuddeln oder im Bayerischen Voralpenland den Murmeltieren Hallo sagen.

Meine Urlaube sind meistens eine Mischung aus Kultur und Natur.
In den Städten lasse ich mich gerne treiben, versuche ein Gefühl für die Seele der Stadt und seine Menschen zu bekommen, schaue auch links und rechts der großen Sehenswürdigkeiten, erkunde historische Wohnviertel, suche mir eine Bank in einem Park oder beobachte das Treiben bei einem Cappuccino in einem Straßencafé. Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, welche kleinen Schätze man dabei entdeckt. Sobald es Berge in der Nähe gibt, steht auch mindestens ein Gipfeltag auf dem Programm. Und ein paar entspannte Tage mit Meer und Strand sind selbst für einen unruhigen Geist wie mich ein schöner Ausklang, bevor es wieder zurück nach Hause geht.

Liegestühle beim Sankt Moritz Kiosk in München

St. Moritz mit Sand unter den Füßen in Schwabing
Nachdem ich kürzlich erst länger unterwegs war und die nächste Reise in weiter Ferne steht, habe ich jetzt ein Experiment gemacht: Ein Urlaubstag in München mit den Aktivitäten, die ich auf Reisen so liebe. Und es sehr genossen und München nochmals mit ganz anderen Augen kennengelernt! Das erste Gefühl von Urlaub kommt bereits bei der morgendlichen Latte Macchiato im St. Moritz Kiosk in der Gunezrainerstraße unweit des Englischen Garten auf, nicht nur wegen des klangvollen Namens „St. Moritz“.
Ich komme häufiger am Wochenende hierher, meistens sitze ich dann an einem der stilvoll mit weißen Tischdecken und Kerzenleuchtern verschönerten Tische, weil die Sonnenliegen schon alle belegt sind. Doch heute habe ich Glück und finde noch einen Platz am Strand des Kultkiosks, der früher übrigens „Heck am Eck“ hieß. Dieser ist mit 20 Quadratmetern zwar sehr überschaubar, aber dafür sehr gemütlich und mit Sonne bis zum Abend. Mit dem Sand unter meinen Füßen und den kitzelnden Sonnenstrahlen auf meiner Nase fühlte ich mich sofort tief entspannt. Ich hätte stundenlang hier sitzenbleiben können und in meinem Buch schmökern können. Aber ich hatte ja noch einiges auf dem Programm.

Wie in Frankreich – Boulespielen im Hofgarten
Mein nächstes Ziel war der Hofgarten, zu dieser Jahreszeit natürlich ein stark frequentiertes Touristen-Mekka, aber allein wegen des duftenden Lavendels, der im August die Blumenbeete ziert, lohnt es sich, einen Moment hier zu verweilen. Auch der unverwechselbare Blick auf die goldgelbe Theatinerkirche und die Residenz lädt mich ein, mir eine Bank zu suchen und den mit Sonnenschirmchen ausgerüsteten asiatischen Touristen beim Fotografieren zuzusehen. Trotz der vielen Menschen ist es dennoch irgendwie ruhig hier.

Eigentlich war ich war jedoch wegen etwas anderem herkommen, dem Boule. Wie in Frankreich, denke ich, als ich die kleinen Grüppchen sah, die silberne Kugeln in den sandigen Boden werfen, über die Formationen diskutieren und sich dabei nicht von den zahlreichen Zuschauern stören lassen. So ein Boulespiele kann mehrere Stunden dauern, die meisten haben Proviant dabei. Neben den Fahrrädern und Faltstühlen stehen Weingläser und die ein oder andere leere Flasche, unter anderem Campari, der obligatorische Pastis aus Frankreich fehlt. Angeblich wurde Boule in den Nachkriegsjahren von französischen Soldaten nach Deutschland gebracht, auch noch München, wo eigentlich die Amerikaner das Sagen hatten. Was so lässig aussieht, ist ein kompliziertes Spiel mit einer Vielzahl von Regeln, lerne ich. Ich platze mitten in ein Turnier. Aha, deshalb sehen alle so konzentriert aus.

München von oben – der Alte Peter
Egal ob das Empire State Building in New York, der Jin Mao Tower in Shanghai oder der Torre del Guinigi im toskanischen Lucca – wenn ich in der Weltgeschichte in der unterwegs bin, habe ich immer den Drang, auf eine Aussichtsplattform zu fahren oder einen Turm zu besteigen, um die Stadt und die Umgebung von oben zu begutachten. Das kann auch als Ausgleich zum Besteigen eines Berges dienen, wenn gerade keiner in der Nähe ist. In München hat man die beste Aussicht natürlich vom Olympiaturm, mit 191 Meter das zweithöchste Gebäude in Bayern und mit über 40 Millionen Besuchern seit seiner Eröffnung 1968 eindeutig ein Touristenmagnet.

Mit 91 Metern ist der Turm des Alten Peter nicht ganz so hoch, aber der Ausblick, den man von der Aussichtsplattform hat, könnte auf einer Postkarte schöner nicht sein. Ich traue mich kaum, es zu sagen, dass ich nach 15 Jahren in München das erste mal dort oben war – ich sollte vielleicht häufiger Urlaub zu Hause machen. Was für ein Versäumnis, der Rundumblick ist einfach spektakulär. Im Norden ragt der Olympiaturm heraus, der BMW-Zylinder, ich mache den Luitpoldhügel aus – im Übrigen auch ein toller Aussichtspunkt -, die Türme der Parkstadt Schwabing, im Osten die orangefarbene Kugel des Mediaworks-Geländes, dann das Heizkraftwerk in Thalkirchen, in der Ferne die Silhouette der Berge.

Und natürlich die Sehenswürdigkeiten, für die München berühmt ist: die Theatinerkirche, den Viktualienmarkt und das Neue Rathaus. Dort erkennt man sogar die Besucher auf der Aussichtsplattform. Die sind wahrscheinlich nicht so außer Atem wie ich, denn dort fährt ein Aufzug. Wer den Alten Peter besteigen will, muss über 300 Treppenstufen bezwingen. Aber es lohnt sich! Ich werfe noch einen Blick in die Kirche St. Peter. Wenn ich schon jeden berühmten Tempel in Südostasien und Indien besichtigt habe, sollte ich zumindest auch einmal die älteste Pfarrkirche Münchens besucht haben, die schon alleine wegen ihrer wechselvollen, architektonischen Geschichte einen Besuch wert ist.

Über die Maximilianstraße durch das historische Lehel zur Isar
Nachdem ich mich auf dem Alten Peter dem Sprachengewirr zufolge ausschließlich unter Touristen befand, mische ich mich auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel erneut unter die zahlreichen Besucher aus allen Herren Länder, die zu dieser Jahreszeit die Isarmetropole besuchen. Über die Maximilianstraße bummle ich Richtung Lehel, wo ich sonst recht selten unterwegs bin. Dabei mag ich dieses Viertel, die älteste Münchner Vorstadt, die früher auch den Beinamen „St. Anna Vorstadt“ hatte, nach den beiden gleichnamiger Kirchen. Es lohnt sowohl, der Pfarrkirche St. Anna einen Besuch abzustatten als auch der Klosterkirche St. Anna im Lehel, der ersten Rokoko-Kirche in Altbayern.

Das Lehel wurde einst auch „Brettervorstadt“ genannt.
Wenn man heute an den prächtigen Altbauten vorbei flaniert, die an Pariser Straßenzüge erinnern, oder in einem der italienischen Lokale am St. Anna Platz einen Cappuccino trinkt, kann man sich nicht vorstellen, dass diese heute beliebte und teure Wohngegend einst eine Armensiedlung war, in der vorwiegend Leute ansiedelten, die zu arm waren, um das Stadtrecht für München zu erwerben. Spuren aus der Zeit, in der hier vorrangig Handwerker lebten, gibt es noch an einigen Häusern, zum Beispiel in der Kanalstraße. Das Wilhelmsgymnasium in der Thierschstraße ist übrigens auch sehr geschichtsträchtig, hier drückten einst Klaus Mann und Ludwig Thoma und auch Konstantin Wecker die Schulbank. Im Lehel befinden sich mit dem Haus der Kunst und dem Bayerischen Nationalmuseum übrigens auch einige der besten Museen der Stadt, eine perfekte Anlaufstelle für einen verregneten Urlaubstag.

Ich habe Glück und einen perfekten Sonnentag erwischt. Da die Isar momentan zu viel Wasser zum Schwimmen hat, die Kieselstrände an meinem Lieblingsbade- und Sonnenplatz zwischen Muffathalle und Praterinsel größtenteils unterspült sind, gönne ich meinen Füßen eine Abkühlung in dem Miniatur-Swimmingpool am Praterstrand, wo ich meinen Urlaubstag in München bei einem Rosé und einem Praterburger in einem Liegestühle ausklingen lasse – die Füße in den Sand gegraben, den Blick ins Grüne gerichtet.

Das Rauschen der Isar geht zwar etwas unter bei der dezenten Lounge-Musik, aber ich fühle mich fast wie in einer Strandbar am Meer. Das Leben ist schön!

Mein Fazit: Das Gute liegt oft so nah und man muss nicht immer verreisen, um einen entspannten Urlaubstag in der eigenen Stadt zu verbringen. Und für den nächsten Urlaubstag in München habe ich auch schon Pläne: Ausgestattet mit einem Reiseführer die historischen Wurzeln eines anderen Stadtviertels erkunden, auf den Turm der Frauenkirche fahren, wenn dieser nach den Instandhaltungsarbeiten wieder geöffnet ist, und im Zuge einer Schlössertour auf den Pfaden der bayerischen Monarchie wandeln.

Es gibt viel zu entdecken in der schönsten Stadt Deutschlands …

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Sommer in München ist doch am schönsten! Sonne, Seen, Berge, Isar… warum muss man dann wegfahren? Lasst doch den Rest der Verrückten den schlimmen Massentourismus betreiben. Ich bleibe immer im Sommer hier, München ist im August so herrlich leer – da hab ich meine Isar für mich alleine 😉 – und fliege ausschließlich in der Nebensaison dahin, wo es dann vielleicht ein paar Grad wärmer ist… dann sitzt man auch nicht übereinander an den schönen Ecken dieser Erde 😉

    • liebe steffi, da stimme ich dir völlig zu! ich liebe es auch, im august in münchen zu sein und reise eigentlich fast immer nur im winter in die ferne. viel spaß noch beim ausspannen an isar & co 🙂 alexandra

  2. Ich denke wenn ich urlaub habe,es ist mir egal, wo ich – in Indischen Ozean oder in München… Ich liebe tief entspannt…Aber München ist wirklich gut -:)

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