Ein Bier aus Neuhausen: Gaststube

Richelbräu. Das Bier aus Neuhausen.

München und Bier sind untrennbar miteinander verbunden. Wer als Besucher der Stadt von seinen Eindrücken erzählt, wird sicher auch über seine Erfahrungen mit dem bayrischen Bier berichten. Die Liebe der Münchner zu ihrer „Hopfenkaltschale“ geht soweit, dass sie sogar zwei Jahreszeiten erfunden haben, während derer sie sich dem Genuss des Biertrinkens besonders intensiv hingeben. Gerade eben hat die Starkbierzeit begonnen, also die Wochen vor Ostern, in denen das besonders gehaltvolle Fastenbier gebraut und ausgeschenkt wird. Im Herbst lockt dann das Oktoberfest wieder Besucher von überall zum weltgrößten Bierfest nach München. Kein Wunder, dass die örtlichen Brauereien weltweit Liebhaber und Abnehmer ihres Gerstensafts finden und riesige Mengen davon in alle Welt exportieren. Doch neben diesen großen Namen gibt es auch zahlreiche kleine und mittlere Privatbrauereien, die teils nur in Liebhaberkreisen bekannt sind. Doch das Bier liegt vielen Münchnern so sehr am Herzen, dass einige sogar ganz auf die Dienste einer Brauerei verzichten und gleich selbst zur Tat schreiten und ihr eigenes Bier brauen. Hausbrauer sind es, die ihre persönlichen Biere – wie der Name sagt – zu Hause und nur für den Eigenbedarf brauen.

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Eine solche ganz besondere Hausbrauerei versteckt sich im Stadtteil Neuhausen. Dort braut Günther Baumann mit seinem Richelbräu ein Neuhauser Bier, das er spitzfindig „CasaNova“ getauft hat und bereits im ganzen Viertel bekannt ist. Doch wenn der Schriftzug „Richelbräu“ nicht über dem schweren Holztor am Eingang stünde, würde man hinter der Jugendstilfassade des Wohnhauses in der Richelstraße 26 sicher keine Brauerei vermuten. Steigt man aber, nachdem man den mit Filmplakaten behängten Hausflur betreten hat, die Treppe in den Keller hinunter, reibt man sich verwundert die Augen. Ein kleines Wirtsstüberl mit Holzofen, nebenan die Küche mit Gärkessel und anderen Brauuntensilien und sogar ein kleines Kino warten dort unten auf Besucher.

Hausbrauer Günther Baumann begutachtet den aktuellen Biersud

Hausbrauer Günther Baumann begutachtet den aktuellen Biersud

Im Jahr 2008, zum 850. Geburtstag der Landeshauptstadt beschloss der Hauseigentümer Günther Baumann den ehemaligen Luftschutz- und Kohlenkeller seines Mietshauses in der Richelstraße umzubauen. Viel Arbeit hat er sich und seinen Mietern damit beschert, doch mit dem Ergebnis sind alle zufrieden. „Der Keller wurde vorher nie benutzt, von den Kohlen war er völlig verdreckt“ schildert er den ursprünglichen Zustand, „Ratten und Mäuse liefen rum – keiner wollte da runter gehen“. Jetzt, mit der Brauerei, ist der Keller ein beliebter Treffpunkt für die Hausbewohner und das Stadtviertel geworden.

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Bis Herbst letzten Jahres hatte der Richelbräu einen Braumeister, nachdem der in Rente ging hat Günther Baumann zwanzig begeisterte Hobbybrauer um sich geschart, die nun abwechselnd für ihn brauen. Die kommen nicht nur aus dem München, sondern auch aus China, Irland, Amerika, Neuseeland und Äthiopien. So unterschiedlich wie deren Heimatländer sind auch die Erwartungen, die jeder einzelne von ihnen an ein Bier stellt.

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Der Holzofen im Bräustüberl sorgt für wohlige Wärme

Darum wird das „süffig-erotische“ Bier aus dem Bräu auch nicht immer gleich schmecken. Neben den Standardsorten wie Hell, Dunkel und Weißbier will Baumann auch gelegentlich Exoten brauen. So hat er zum St. Patricks Day ein Stout gebraut, am 16. März wird es bei irischer Live-Musik im Keller ausgeschenkt. Auch Schaubrauen und Braukurse stehen auf dem Programm. Doch trotz allem ist der Richelbräu ist keine gewerbliche Brauerei, sondern ein wenn auch professionell betriebenes Hobby. Wer das CasaNova-Bier kennen lernen will, kann dies im Rahmen einer Führung mit Verkostung tun, oder besucht eine der kulturellen Veranstaltungen im Kellergewölbe zu denen das Bier ausgeschenkt wird. Verkaufen darf und kann Baumann zum Leidwesen vieler Wirte und Nachbarn aus dem Viertel sein Bier nicht. Dazu sind die produzierten Mengen zu gering und die Brauerei nicht als Gewerbe gemeldet. Zwar würde der Hobbybrauer gerne den Wünschen nachkommen, doch lässt sich das vorerst nicht finanzieren, bedauert er. „Um die Brauanlage umzurüsten sind mindestens 100.000 Euro fällig, nochmal 20.000 Euro würde eine Abfüllanlage für die Flaschen kosten“.

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Günther Baumann und seine 20 Hobbybrauer

Neben dem Bierbrauen betreibt Günther Baumann in seiner „Zukunftswerkstatt“ noch einen Verlag, ist Gründer der Geschichtswerkstatt Neuhausen e.V. und beherbergt mit der „Filmwerkstatt“ auch noch Münchens kleinstes Kino, mit Platz für 30 Besucher in seinem Keller.

Ein Fläschchen vom guten „Richelator“ – dem Starkbier vom Richelbräu, durfte ich nach meinem Besuch aber doch nach Hause nehmen. Prost!

Wer jetzt auch die erotischen Biere vom Richelbräu testen will, findet hier alle nötigen Informationen. Dort erfährt man auch wie das erotisch-süffige CasaNova zu seinem Namen kam.

Hier ein weiterer Artikel über den selbstgemachten Munich Dry Gin.

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