Die stade Zeit

Abendstimmung auf dem Marienplatz c Foto: Michael Nagy, Presse- und Informationsamt

Unsere Autorin Margot Weber hat schon einige Weihnachtsmärkte erlebt. Und dabei gelernt, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt.

Als ich noch in Hamburg wohnte, war ich mal auf einem Weihnachtsmarkt, wo die Verkäuferinnen rote Seiden-Dessous trugen und „heiße Engel“ hießen. Gibt’s überall sonst in der Adventszeit Christbaumschmuck in Form von Filz-, Holz- oder Porzellan-Engelchen zu kaufen, gab es ihn auf St. Pauli in Form von – essbaren – männlichen Genitalien. Und statt ergriffen vor einem rotbackigen Kinderchor stand man staunend vor einer Striptease-Show. Alles in allem war dieser Besuch ein einzigartiges Erlebnis. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich jedes Jahr etwas für mich wäre. Zur Weihnachtszeit bewege ich mich nämlich gerne in gewohnten Gefilden. Sehr vertraut beispielsweise ist mir der Weihnachtsmarkt an der Münchner Freiheit – werktags ist er für meine Freundinnen und mich oft das Ziel, um nach der Arbeit und vor einem Kinobesuch noch ein Haferl Glühwein zu trinken.

Und manchmal kann es sogar passieren, dass man zufällig gerade dann zur Stelle ist, wenn ein kleines kabarettistisches Programm beginnt. Dass die Umgebung trotz aufgehübschter Trambahnhaltestelle immer noch etwas gewöhnungsbedürftig aussieht – nunja, man kann nicht alles haben. Aber: Ist es erst einmal dunkel, wird selbst die Münchner Freiheit zum heimeligen Ort! (Übrigens sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden, aber Familien mit Kindern kann ich an dieser Stelle nur wärmstens den sehr romantischen Haidhauser Markt am Weißenburger Platz empfehlen.)

Hübsch ist es, was das Ambiente angeht, natürlich auch auf dem Marienplatz. Altes Rathaus, neues Rathaus, und über den Dächern die Kuppeln der Marienkirche – das ist eine Szenerie, die gefährlich nah am Heimatfilm-Kitsch entlang balanciert. Wenngleich es in der Stadtmitte natürlich – bei in diesem Jahr 174 Marktständen und erwarteten drei Millionen Besuchern – immer ziemlich voll ist, egal, wann man vorbeischaut. Auch der alljährliche Weihnachtsbaum auf dem Marienplatz hat mit den Jahren einfach etwas sehr Vertrautes für mich bekommen. 27 Meter Höhe vermeldet die Stadt nun stolz für das Exemplar 2013. Und 7,5 Tonnen Gewicht. Aber muss ich nun ein schlechtes Gewissen haben, weil der Baum für mich zur Vorweihnachts-Szenerie einfach dazu gehört?

Die Pressestelle der Stadt beruhigt mich: Aufgrund seiner Größe drohte die Fichte, die in diesem Jahr aus Bad Kohlgrub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen stammt, ein historisches Heustadl, neben dem sie gewachsen war, zu beschädigen. Sie hätte also sowieso gefällt werden müssen. Und jetzt mal ehrlich: Gibt es etwas Schöneres für einen bayerischen Baum als auf seine alten Tage nochmal geschmückt und beleuchtet Tausenden Menschen eine große Freude zu bereiten? Wenn Sie anderer Meinung sind, hey, dann lassen Sie uns das gern bei einem Haferl Glühwein zu seinen Füßen diskutieren! Wer sich nun selbst ein Bild machen will, wo es am schönsten ist: die Auswahl an Weihnachtsmärkten in der Stadt ist groß! http://www.muenchen.de/themen/weihnachtsmaerkte.html

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Juhu.. endlich wieder Glühwein und Bratwurst bzw. Dampfnudln. Wie hab ich die Zeit vermisst. Bin leider noch nicht dazu gekommen auf den Weinachtsmarkt zu gehen.
    Ahc und der Nürnberger Weihnachtsmarkt ist auch nicht zu verachten.

  2. den marienplatz mag ich nicht, ihc gehe lieber bei mir in neuhausen auf den w-markt. oder in der brienner str auf den mittelaltermarkt, da gibts met, das schmeckt super!!

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