Der Süden im Norden

Nach Madrid, Athen oder nach Rom? Unsere Autorin Margot Weber wohnt seit 27 Jahren in Schwabing und hat mittlerweile eines gelernt: Sie muss nicht ins Ausland fliegen, um südländisches Flair zu haben. Sie schwingt sich einfach auf ihr Rad

 

Die Libreria in Schwabing c Libreria

Spanische Bücher und DVDs: die „Libreria“ in Schwabing

Mi pequeño Madrid

Italien war mir lange näher als Spanien – geographisch, aber auch emotional. Das hat sich mittlerweile etwas geändert. Andalusien und den Kanaren bin ich nach ein paar Besuchen hoffnungslos verfallen. Barcelona und Madrid sowieso. Doch wenn meine Sehnsucht zu groß wird, ein Urlaub aber nicht in Sicht ist, hole ich mir Spanien einfach nach Schwabing.

Ist Mittwoch, ist mein Glückstag: Dann gibt’s im „Studio Isabella“ in der Neureutherstraße „Cine Español“ – das heißt, einen Film in der Originalfassung, mit oder ohne deutsche Untertitel; zum ersten Mal läuft er gegen 18 Uhr und noch einmal in der Spätvorstellung um 22.30 Uhr. Gegen Fernweh helfen natürlich auch ein Spontanbesuch in der Librería Española in der Nordendstraße und ein Check, ob im Instituto Cervantes am Hofgarten vielleicht ein Konzert, eine Lesung oder eine Filmvorführung stattfinden.

Und am Abend? Macht eine Reservierung im „Don Quijchote“ in der Biedersteinerstraße gute Laune. Das erste spanische Lokal Münchens zog 1960 in den 200 Jahre alten Gewölbekeller des Hauses ein. Nachdem die Räume nun zwei Jahre leer standen, hat zu Jahresbeginn ein neuer Wirt eröffnet, den alten Namen aber beibehalten. Spanische Fliesen, dunkle Holzmöbel, ein Stierkopf an der Wand und knapp 30 Tapas auf der Speisekarte lassen einen sofort vergessen, dass man eigentlich nördlich der Alpen ist.

Der "Kreta Grill" in der Nordendstraße c Kreta Grill

Griechisch essen: im „Kreta-Grill“ in der Nordendstraße

Μικρή μου Αθήνα

Das antike Griechenland findet man wo? Zum einen natürlich in Form des Monopteros im Englischen Garten. Zum anderen, klar, auf dem Königsplatz. Karl von Fischer und Leo von Klenze haben den Königsplatz nach Vorbild der Akropolis konzipiert, er sollte die Verbundenheit zwischen beiden Ländern symbolisieren. Schließlich stellten die Wittelsbacher im 19. Jahrhundert mit Otto I. ja sogar den ersten König von Griechenland. Die Propyläen an der Westseite, die beiden Museen an Nord- und Ostseite – ein Ensemble wie eine antike Tempelanlage.

Das heutige Isar-Athen findet man hingegen eher in den unzähligen griechischen Restaurants der Stadt. Es gibt Szene-Griechen, Nobel-Griechen, Promi-Griechen – und natürlich auch zahllose ganz normale Tavernen, die in keinem Reiseführer stehen. Mein persönlicher Favorit ist der völlig unspektakuläre „Kreta-Grill“ in der Nordendstraße. Weiße Wände, quadratische weiße Holztische, Korbgeflecht-Stühle mit hellblauem Rahmen: alles ist extrem schlicht gehalten. Es gibt kalte und warme Vorspeisen, Fleisch und Fisch vom Grill, Retsina und einen sagenhaft guten Hauswein aus Chalkidiki – und schon nach wenigen Minuten fühlt sich ein Besuch dort an, als wäre man auf einem Kurztrip auf Santorini.

Und noch ein ebenfalls vollkommen untouristischer Spezialtipp zum Abschluss: Manchmal gibt’s in der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in der Ungererstraße 131 Konzerte oder Sonderveranstaltungen. Das Gebäude ist ein Neubau aus den neunziger Jahren, äußerlich sehr unscheinbar, aber im Innern prunkvoll und golden und in der Tradition der griechisch-orthodoxen Kirchenbaukunst gestaltet.

Im "Vini e Cibi" am Bonner Platz c Vini e cibi

Feine Alimentari in Schwabing: im „Vini e Cibi“ am Bonner Platz

La mia piccola Roma

Rom! Ewige Stadt! Vor zehn Jahre habe ich dort mal einen Winter lang gelebt. Und es geliebt. Denn bei aller Zuneigung zu München: Weihnachten, Silvester und Neujahr mit einem Cappuccinoin einem Straßencafé bei sonnigen 15 Grad zu verbringen, ist auch nicht zu verachten. Andererseits: Italienisches Flair hat natürlich auch München mehr als genug zu bieten. Den Blick vom Odeonsplatz auf die goldgelbe Theatinerkirche und die Leopoldstraße hoch zum Beispiel. Oder den Hofgarten, angelegt 1613-17 im italienischen Stil. Oder die Dreifaltigkeitskirche in der Pacellistraße, eine Votivkirche im Stil des italienischen Barock. Oder die Häuser an der Maximilianstraße, die deutliche Elemente der italienischen Renaissance aufweisen.

Und was ist mit Pizza, Pasta & Co? Ehrlich gesagt: Vieles ist ja Geschmackssache, oder? Den einen gefällt die Riesenpizza in den mittlerweile drei „L’Osteria“-Filialen (Leopoldstraße, Lenbachplatz, Innere Wiener Straße), den anderen die Holzofen-Pizza im „Garbo“ in der Kaiserstraße, den dritten die gehobene italienische Küche im „Cupido“ in der St.-Anna-Straße im Lehel oder im „Romans“ in Neuhausen. Sicher ist nur: Bei 400 bis 500 italienischen Restaurants in der Stadt ist es für jeden Münchner möglich, seinen persönlichen Favoriten zu finden.

Ich selber habe mittlerweile eine Vorliebe für „Alimentari“ entwickelt, die typisch italienischen Feinkostläden, deren Zahl erfreulicherweise in München zunimmt. Der Klassiker: natürlich das alteingesessene „Vini e Panini“ in der Nordendstraße, ein winziges Geschäft mit kleiner Tageskarte zu Mittag. Der besondere Service: Inhaber Andrea und Sohn Filippo fertigen Ravioli mit Wunschfüllung! Oftmals bin ich schon bei Auswahl überfordert: mit Büffelmozzarella aus Kampanien, Burrata aus Apulien – oder doch lieber mit Pecorino aus der Toskana? Ein ganz neuer Mini-Italiener: das „Vini e Cibi“ in der Viktoriastraße, direkt am Bonner Platz. „Cibi“ sind Speisen – und die leckeren „Cibi“ von Antonio lohnen definitiv einen Besuch. Noch dazu, wo es auch dort eine kleine Mittagskarte gibt und bei schönem Wetter eine – kleine – Terrasse. Übrigens: Man sollte es ja nicht glauben, aber sogar im tristen Gewerbeviertel von Berg am Laim gibt’s einen erstklassigen Italiener. „La Cantinetta“, einen Wein- und Feinkosthändler mit angeschlossener Küche. Im Sommer heiß frequentiert von den Büromenschen der umliegenden Firmen.

Und zum Abschluss noch mein kleiner Kostet-Fast-Nichts-Geheimtipp für das ganz spezielle „Dolce vita alla Monaco di Baviera“: am späten Nachmittag bei „Bartu“ in der Kaiserstraße ein Bio-Eis kaufen und sich damit auf die Stufen von St. Ursula in die Abendsonne setzen.

Fotos: L’Osteria, Libreria, Kreta-Grill, Vini e Cibi

 

 

 

 

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. In München merkt man die Nähe zu Italien auch an den Preisen . Vieles wie zb Pizza ist hier deutlich billiger und „normaler“ als zb in Stuttgart oder Frankfurt, wo Pizza ein anderes (Teures und schikces) Image hat. Außerdem gibts in München die Pizza oft genauso wie in Italien , schön cross, groß und mit knusprigem hauchdünnen Boden. Wie oft habe ich in Frankfurt Pizza im american Style essen müssen!!

Kommentar verfassen