Der Alte Nördliche Friedhof. Der geheime Park der Schwabinger.

Für viele Schwabinger und Maxvorstädter ist er längst zum Gartenersatz geworden. Auch unsere Autorin Margot Weber hat dort schon viele Sommernachmittage verbracht.

Der Alte Nördliche Friedhof Maxvorstadt. Der geheime Park der Schwabinger. ADALBERSTSTRASSE, ARCISSTRASSE, FRIEDHOF, GARTEN, MAXVORSTADT, PARK, SCHWABING, TENGSTRASSE.

Anfangs hielt ich ihn für einen ganz normalen Park, ähnlich denen, die es in London zuhauf gibt: kleine Areale in Wohngebieten, geplant für die Nachbarschaft und sehr unspektakulär. Hohe Bäume, grünes Gras, ein paar Bänke. Ein Blick auf den Stadtplan belehrte mich eines Besseren: Es handelte sich um einen Friedhof. Was für mich bis dahin ein Ort gewesen war, den ich nicht unbedingt aufgesucht hätte, um einen netten Nachmittag zu verbringen.

Umso mehr wunderte ich mich über die zahlreichen Münchnerinnen und Münchner, die ich tagsüber durch das schmiedeeiserne Tor hineinspazieren sah: alte Damen, mal allein, mal in Grüppchen, und viele Mütter mit Kinderwägen. Abends kamen dann die Jogger und Radler – und am Wochenende verliebte Pärchen mit Decke und Picknickkorb.

Begraben wird in dem überschaubaren Areal zwischen Arcis-, Adalbert- und Tengstraße allerdings schon seit 1939 niemand mehr. Eröffnet 1868, war der Friedhof einst angelegt worden für 9000 Familiengräber auf dem Feld und 30 Grüfte in den Arkaden. Rund 60 000 Menschen sollen dort insgesamt ihre letzte Ruhe gefunden haben; heute sind noch rund 800 Gräber erkennbar.

Irgendwann überwand ich meine Scheu, schnappte ich mir ein Buch und ging ebenfalls hin. Setzte mich auf eine der vielen Bänke, wollte lesen – und kam dann nicht dazu, weil es so viel zu entdecken gab. Die vielen malerischen Perspektiven und Blickrichtungen, die sich mir eröffneten. Die moosbewachsenen Grabsteine, die wie aus der Zeit gefallene Kunstwerke aussahen. Die verwitternden Inschriften, die von der Vergänglichkeit des Lebens erzählen. Die Melancholie und Ruhe, die über allem lag.

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Ist es vermessen, einen Friedhof zum Park umzudisponieren? Im Sommer dort das Kind spazieren zu fahren, auf den Bänken ein Schwätzchen zu halten, auf dem Rasen liegend ein Buch zu lesen? Ich finde: Nein. Ein „Todesacker“, wie es früher hieß, auf dem man – auch – das Leben feiert, auch dadurch, dass sich auf dem Gelände der ehemaligen Aussegnungshalle heute ein Kinderspielplatz befindet: Gibt es etwas Schöneres?

Aber ich finde auch: Es gibt eine Grenze dafür, was noch okay ist – und was nicht mehr. Für einen Kindergeburtstag mit Luftballons, Prinzessinnenkrönchen und Törtchen wüsste ich passendere Orte. Das Café Isabella etwa, oder das Café Ignaz – beide liegen direkt um die Ecke. Und für ein Sonnenbad oben ohne oder im knappen Bikini würde ich zum Nordbad raten. Oder zum Luitpoldpark. Damit der Alte Nördliche Friedhof weiterhin den Ruhigeren, Stilleren, Nachdenklicheren unter den Münchnern gehört.

Foto von Rufus46 – Wikimedia

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Friedhof als Gartenersatz?? Ich war skeptisch! Das hätte ich bis dato nie in Erwägung gezogen und wäre ohne diesen Eintrag wohl auch eher nicht auf die Idee gekommen , mir diesen Park/Friedhof… anzuschauen!
    Das wäre allerdings sehr schade gewesen – so schön und bezaubernd wie die Autorin es beschreibt ist es tatsächlich! 🙂
    Münchens unbekannte und versteckte Schätze sind wirklich atemberaubend – auch wenn die Stadt es schon so ist 😉
    Vielen Dank für den genialen Insider Tipp und gerne mehr davon!!!!

  2. Ein sehr schönes Plätzchen. Ich war am Dienstag dort, und auch wenn der Alte Nordfriedhof mit dem Alten Südfriedhof nicht mithalten kann, ein Spaziergang innerhalb seiner Mauern ist auf jeden Fall empfehlenswert.

  3. Pingback: Leben am Wasser: der Kleinhesseloher See in Münchens Central Park › Münchner Momente. Das Blog des offiziellen Stadtportals.

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