Mehr als Bier: fünf ausgezeichnete Cocktailbars in München

Mehr als Bier: fünf ausgezeichnete Cocktailbars in München: Goldene BarEs muss ja nicht immer ein Hefeweizen sein. Unsere Autorin Margot Weber hat sich mal zu einer aufwendigen und harten Recherche aufgemacht. Nächtelang hat sie nach ihnen gesucht, aber nun hat sie endlich ihre Münchner Lieblings-Cocktail-Bars gefunden.

Opulent: Goldene Bar
Sie ist eine Klasse für sich. Aus zwei Gründen. Erstens wegen Klaus St. Rainer. Als er 2010 die Goldene Bar gemeinsam mit Leonie von Carnap übernahm, hatte er sich längst mit seiner Shakermanufaktur sowie mit Barkonzepten für internationale Medienevents einen Namen gemacht. Sein konkretes Konzept für die Bar im Haus der Kunst lautet: klassische Getränke mit modernem Twist. Der in den 1930er-Jahren beliebte Drink Blood & Sand etwa besteht ursprünglich zu gleichen Anteilen aus Scotch Whisky, rotem Wermut, Kirschlikör und Orangensaft. Statt mit Orangensaft wird dieser Drink nun in der Goldenen Bar mit einer Krone aus Orangenschaum serviert – eine molekulare Veränderung, die ein komplett neues Trinkerlebnis bewirkt.

Und zweitens ist die Goldene Bar einzigartig wegen ihres phänomenalen – und geschichtsträchtigen – Interior Designs: Die Einrichtung besteht aus Möbeln der 1950er- und 1960er-Jahre, Blickfang ist ein alter Kronleuchter aus den Hotel Savoy in Zürich. Und die goldenen Wandmalereien aus den 1930er-Jahren zeigen Landkarten von u.a. Kuba, Jamaica, Haiti oder Dalmatien, auf figürlichen Darstellungen sind u.a. Tabakhändler und Kanu-Transport von Zuckerrohr oder eine Whiskeydestillerie und Whiskeyhändler zu sehen. All das wirkt wie eine bebilderte Getränkekarte, die über Herkunft von Rum, Zigarren, Tabak, Champagner, Whiskey und Wein Auskunft gibt.

Wer mag, kann in der Goldenen Bar schon ab 10 Uhr morgens zu einem Frühstück aufschlagen, sich aber auch zum Businesslunch oder später zu Kaffee und Kuchen treffen – oder sich tatsächlich sich am Abend von Klaus St. Rainer eine seiner Eigenkreationen empfehlen lassen.
Goldene Bar
Prinzregentenstraße 1

Stadtmitte
Tel. 089 / 54804777

Lässig: The Potting Shed
Der Name: britisch. Die Cocktails: ebenso. 26 Seiten umfasst die Karte, die hier „Barbel“ heißt. Understatement ist das nicht wirklich. Und gerade deshalb sehr bemerkenswert in einer Stadt, die sich in erster Linie über ihre Biere und Brauerei-Tradition definiert. Und so fällt meiner Freundin und mir die Auswahl auch schwer. Der Barkeeper empfiehlt mir einen Forest Caipiroska, gemixt aus Absolut Kurant, fresh Lime, fresh Raspberries, Blackberries, Sugar und Chambord. Meine Freundin nimmt einen Krakow Tea: Grasovka Bison Vodka, fresh Lime Juice, cold Camomile Tea, Apple Juice, fresh Mint, Sugar Syrup. Eine Mischung, die klingt, als sei jeder Halsschmerz innerhalb von Sekunden besiegt.

Hunger haben wir aber auch, also ordern wir einen der tollen Bio-Burger dazu. Aber welchen? Veggi? Oder etwas schärfer, also Mexican? Egal, wir nehmen beide und teilen sie schwesterlich untereinander auf. Und verbringen im „Potting Shed“ einen sehr entspannten, unkomplizierten Abend.
The Potting Shed
Occamstraße 11
Schwabing

Stylisch: „The Bar“ im Charles Hotel
Ich mag es ja, auch in meiner eigenen Stadt von Zeit zu Zeit in Hotelbars zu gehen. Da ist die Atmosphäre ein bisschen kosmopolitischer, weht ein Hauch von London, Paris oder Moskau durch den Raum. Und die beste – und eleganteste – Hotelbar ist für mich persönlich jene im The Charles in der Sophienstraße. Die Umgebung des Hotels ist jetzt nicht wirklich stylisch, aber spätestens im Entree hat man den Shabby Chic des nahen Hauptbahnhofs komplett vergessen.

Das erste Mal war ich zum traditionellen englischen Afternoon Tea dort, danach ein paarmal, um Freunde zu treffen, die auf Durchreise in München waren. Was bei ihnen großen Eindruck gemacht hat: dass hier Bilder des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach an den Wänden hängen. Ab neun Uhr gibt’s diskrete Live-Musik. Auch das ist ein großes Plus heutzutage, denn auch das ist bedeutend stilvoller, als einfach die neueste Adele- oder Robbie Williams-CD einzulegen.
„The Bar“ im Charles Hotel
Sophienstr. 28
Stadtmitte

Urban: Zephyr
Ein Wochenende in München? Und nur eine Nacht Zeit? Dann, so schrieb die „New York Times“ vor einiger Zeit in ihrem „Travel“-Teil, nichts wie hin ins Zephyr in der Baaderstraße. Und zwar, um sich dort durch die diversen Gins zu probieren. Die US-Journalisten empfehlen den „The Duke“ sowie den „Monkey 47“.

Als ich selber das erste Mal da war, bestellte ich allerdings einen „99 Frogs“-Cocktail: Tequila Blanco, Kaffirlimette, Erbse, Kokos, Riesling, Gurke. Nicht, weil ich so ein großer Cocktail-Kenner bin, sondern weil ich den Namen lustig fand. Und was soll ich sagen? Er schmeckte ein bisschen grün, aber erstaunlich wenig froschig. Und im Sommer freue ich mich dann wieder auf einen Diving Duck, bestehend aus Tanqueray Gin, Safran, Milch, Mango Espuma, Granatapfelmelasse und Sumac. Für den ist es mir derzeit nämlich noch ein bisschen zu kalt.
Zephyr
Baaderstraße 68
Gärtnerplatz

Legendär: Pusser’s
Es ist die Keimzelle der klassischen amerikanischen Barkultur in Deutschland: das Pusser’s in der Falkenturmstraße. Von Vater Bill Deck gegründet, von Sohn David, Jahrgang 1974, weitergeführt. Das erste Mal war ich noch als Studentin dort – damals hieß die Bar noch „Harry’s New York Bar“, um auf das legendäre Pariser Vorbild zu verweisen, in dem Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald einst Stammgäste waren. Der Name hat seitdem noch einmal gewechselt, aber seit 1993 heißt die Bar nach dem „Pusser“ (Purser), also dem verballhorten Wort für den Zahlmeister an Bord der britischen Schiffe. Seinen „Pusser’s Rum“ tranken die Matrosen, mit etwas Limonensaft, Zucker und kaltem Wasser vermischt, als Grog.

Das Interieur – edles, dunkles Holz – ist ganz im Stil einer traditionellen New Yorker Bar gestaltet, die Wände hängen voller alter Bilder, Fotos und Schiffswappen. Und der Rumpf eines alten karibischen Segelboots schwebt über allem. Zu hören sind smoother Jazz und Dixiesound, und von Donnerstag bis Samstag gibt’s ab 21 Uhr Live Pianomusic. 

Wer zum ersten Mal kommt, sollte die Spezialität des Hauses nicht verpassen: den sagenhaften Pusser’s Painkiller™, der einst auf einer der britischen Jungferninseln in der Soggy Dollar Bar kreiert wurde. Aber nicht erschrecken: Er kommt nicht in einem schicken Cocktailglas daher, sondern stilecht – wie in alten Zeiten in der Karibik und auf hoher See – in einer Emaille-Tasse.
Pusser´s
Falkenturmstraße 9
Stadtmitte

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