Münchner Museen – mehr als nur Kunstgenuss. Unsere 5 Lieblings-Museumscafés

München ist Museumsstadt, rund 90 kleinere und größere Museen bereichern das kulturelle Angebot der Stadt. An vielen Ausstellungsorten locken nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch Kulinarisches. Unsere Autorin stellt 5 besondere Münchner Museumscafés vor.

1.Café Glyptothek – auf ein Weißbier mit antiken Persönlichkeiten


Normalerweise führt der Weg in das Café der Glyptothek vom Foyer über den Hof, doch heute werde ich durch die Ausstellungssäle geschickt. So kann ich noch einen Blick auf die Büsten und Statuen der antiken Persönlichkeiten werfen, die in Münchens ältestem öffentlichen Museum zu Hause sind. Zwischen dem „Barberinischen Faun“ und der „Trunkenen Alten“ sitzen Kunststudenten mit Skizzenblöcken. Durch die großen Fensterfronten sehe ich: Trotz des sonnigen Wetters gibt es noch genügend freie Plätze im Innenhof. Dorthin zieht es mich, wie die meisten Cafébesucher. Wobei das in einem Vestibül in Saal VIII untergebrachte Museumscafé selbst auch sehr einladend ist. Die Holzmöbel passen farblich perfekt zu den sandfarbenen Ziegelmauern. Und man kann hineinspähen in die benachbarten Säle. Die Espressomaschine zischt. An einem Samstagnachmittag herrscht Hochbetrieb, doch das Warten an der Selbstbedienungstheke lohnt sich. Egal ob Käse-Kirsch- oder Rhabarber-Kuchen, Guglhupf, Feta-Teller, Focaccia mit Pecorino und Rosmarinschinken oder Vollkornbrot mit Avocado – das Angebot in der Vitrine sieht frisch und lecker aus. Und liegt preislich absolut im Rahmen. Für einen Cappuccino zahlt man 2,80 Euro, für ein Stück Kuchen 3,20 Euro, ein Panini gibt es ab 3,00 Euro.

Ich entscheide mich für Kuchen. Werde aber fast ein wenig neidisch, als ich den Antipasti-Teller und den Weißwein auf dem Tisch des Pärchens neben mir sehe. Egal, Samstagnachmittag ist Kuchenzeit. Die Studenten mit ihren Zeichenblöcken, die eine Pause machen, kombinieren ihren Kuchen mit Weißbier. Ich bleibe bei Cappuccino. Und fühle mich ein bisschen wie in Italien mit den efeuberankten Mauern, dem Kopfsteinpflaster und den weißen Gartenmöbeln. Die Büste von Hadrian scheint die Besucher zu beobachten, ein bunter Mix aus gestylten Pärchen, die nach ihrem samstäglichen Einkaufsbummel auf einen Snack herkommen, Damenkränzchen, Museumsbesuchern und Stammgästen, die sich mit Buch oder Zeitung an diesem besonderen Ort die Sonne auf die Nase scheinen lassen.

Ungewöhnlich für ein Café: Man muss 1 Euro Eintritt bezahlen. Münchner Wegezoll, meint der Kassierer. Das ist natürlich ein Scherz. Dass man ein Ticket lösen muss, hat vor allem Versicherungsgründe, da das Café mitten im Museum liegt.
Café Glyptothek
Königsplatz 3
80333 München
Öffnungszeiten:
Di., Mi., Fr. bis So. 10:00 – 17:00 Uhr
Do. 10:00 – 20:00 Uhr

2.Ella im Lenbachhaus – Edel-Italiener mit Blick auf die Propyläen


Ella, so nannte Wassili Kandinsky seine langjährige Lebensgefährtin Gabriele Münter. Der Malerin verdankt das Lenbachhaus die weltweit größte Sammlung zur Kunst des Blauen Reiter. Der Name des Restaurants, das 2013 in den goldfarbenen Kubus des neu gestalteten Lenbachhaus einzog, ist eine Hommage an Gabriel Münter. Ich weiß nicht, wo ich im Ella lieber sitze. An einem sonnigen Nachmittag mit einem Kaffee auf der weitläufigen Sonnenterrasse die einzigartige Kulisse genießen, in der gemütlichen, kleinen Lounge am Eingang einen Aperitif trinken oder im Restaurantbereich essen und die Wandgemälde des Münchner Künstlers Thomas Demand bewundern. Bei meinem letzten Besuch ist es kühl und grau, die Terrasse fällt aus. Doch auch aus dem Inneren des von Stararchitekt Norman Foster designten Restaurants habe ich einen großartigen Ausblick auf den Königsplatz und die Propyläen, den bodentiefen Panoramafenstern sei Dank.

Im Ella kann man von morgens bis spätabends schlemmen, italienisch. Während der Römer oder Florentiner sich in der Früh mit einem Espresso und Cornetto begnügt, wird im Ella aufgefahren. Wem die „Große Ella“ mit Finocchoina Salami, San Daniele Schinken, Rosmarinschinken, Büffelmozzarella, Ochsenherztomate, Taleggio und sizilianischer Pfirsichkonfitüre zu üppig ist, für den gibt es einen Strammen Massimo oder Eggs Benedetto. Ich komme zum Mittagessen und bin überrascht, was für ein Betrieb herrscht an einem ganz normalen Wochentag. Kein Wunder, von Montag bis Freitag lockt der Business-Lunch. Für 13,50 Euro gibt es z. B. Schwertfisch alla Siciliana mit Artischockengröstl, Oliven und Kapern, dazu eine Suppe und ein Dessert. Ich entscheide mich für eines der Tagesgerichte, einen Salat mit Saibling, Roter Bete und Sauerrahm. Den gibt es, wie die Tagespasta, für 8,50 Euro.

Günstig ist das Ella nicht, eine Portion Antipasti wie Büffelmozzarella mit Gewürzpaprika, gebratenem Spargel, Mohn und Pistazien schlägt mit 12,80 Euro zu Buche, ein primo piatto wie Petersilien-Gnocchi mit Datteltomaten, Zitronen-Mascarponecreme und Guanciale ebenso. Ein secondo piatto wie Perlhuhnbrust mit Steckrübenpüree, Kräuterseitlingen und Marsalajus kostet 17,20 Euro. Eine nicht-vegetarische Hauptspeise auf der Abendkarte startet bei 24,50 Euro. Dafür liest sich die Speisekarte wie ein Gedicht und der Küchenchef entführt einen in die Hochgenüsse der italienischen Kochkunst. Für die Spezialitäten aus Ligurien, der Emilia Romagna, Kampanien, Sizilien und vielen weiteren Regionen Italiens werden nur beste Zutaten verwendet. Ich fühle mich wohl im Ella, nicht nur das Design und die Küche überzeugen mich, auch die Bedienung kümmert sich trotz des Trubels herzlich um mich.
Ella im Lenbachhaus
Luisenstraße 33
80333 München
Öffnungszeiten:
Di. bis So. 9:00 – 1:00 Uhr

3.Café Klenze in der Alten Pinakothek – Teatime bei Leo von Klenze


Das Café in der Alten Pinakothek, das den Namen seines Architekten, Leo von Klenze, trägt, gilt als eines der schönsten Museumscafés Deutschlands. Kein Wunder: Die großzügige Architektur Klenzes in Kombination mit den plüschigen Sofas und dem Mobiliar, das an eine Teestube in der englischen Countryside erinnert, lädt definitiv zum längeren Verweilen ein. An einem Sonntagmittag empfängt mich hier ein munteres Sprachengewirr. Zwischen Museumsbesucher mit München-Reiseführern mischen sich Münchner, die zum Zeitung lesen herkommen. Oder wegen des üppigen Frühstücksbuffets für 17,90 Euro, das auch um halb zwei nochmal neu aufgefüllt wird mit klassischen, englischen Frühstücksspezialitäten, hausgemachtem Müsli und frisch gebackenen Croissants.

Frisch gebacken sind im Café Klenze, einem Ableger von The Victorian House, übrigens auch die köstlichen Kuchen. Ich laufe mehrmals die Glasvitrine auf und ab, bevor ich mich entscheiden kann. Mississippi Mud Cake, Lemon oder Apple Tart, Strawberry Cake, Cherry Crumble oder London Cheese Cake? Oder noch einmal die Tafel hinter der Mahagonie-Bar studieren und eines der warmen Gerichte wählen? Vielleicht eine Ofenkartoffel oder einen Caesar’s Salad? Ein Tagesgericht? Putengeschnetzeltes mit Spätzle oder Nürnberger Rostbratwürste? Nein. Das Café Klenze ist für mich Kuchen und Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Die könnte ich beim nächsten Mal wieder einmal essen. Und dazu einen Tee. Sage und schreibe 60 verschiedene Blattteesorten stehen in der Karte, angefangen von Lapsang Souchong über Darjeeling Second Flush von Margaret’s Hope bis hin zum Queen Elizabeth Jubilee Tea. Ein Paradies für Tee- und Kuchenliebhaber, auch wenn der Kuchen mit 4,30 Euro pro Stück seinen Preis hat.
Café Klenze
Barer Str. 27
80799 München
Öffnungszeiten:
Di. 10:00 – 20:00 Uhr
Mi. bis So. 10:00 – 18:00 Uhr

4.Goldene Bar im Haus der Kunst – Cocktails in güldenem Ambiente


Auch außerhalb der Museumszeiten ist das Haus der Kunst einen Besuch wert. Die Tanzwütigen zieht es ins Untergeschoss ins P1, Liebhaber von guten Cocktails, gutem Essen und Retro-Ambiente in die Goldene Bar. Ich gehöre zur Fraktion der Letzteren. Wobei ich am liebsten direkt am Vormittag herkomme, wenn die Goldene Bar ihre Pforten öffnet, von der Terrasse die Getränkekisten hinein geschleppt werden und noch nicht viel los ist. Bei schönem Wetter schnappe ich mir eine Zeitung und ziehe mich mit einem Cappuccino auf die Terrasse zurück, genieße den Blick ins Grüne und die Ruhe. Die Gunst der frühen Stunde kann man auch gut nutzen, um es sich in den knautschigen Sofas im Lounge-Bereich gemütlich zu machen, die sind sonst heiß begehrt.

Am späten Montagvormittag ist nur eine Handvoll Gäste hier. Am Nebentisch ein Business-Meeting, an der Bar ein Foto-Shooting. Für warme Gerichte ist es noch zu früh. Für Frühstücksgäste gibt es Croissant, Pain au Chocolat, ein paar italienische Kleinigkeiten wie Tramezzini. Ich nehme ein Foccaccia, mit Birne und italienischem Ziegenkäse. Lecker. Von meinem Eckplatz habe ich einen Rundumblick. Auf den riesigen Kronleuchter, der übrigens einst im Hotel Savoy in Zürich hing, und die Wandmalereien aus Blattgold, denen die Goldene Bar ihren Namen verdankt. Während ich meinen Cappuccino trinke, begebe ich mich gedanklich auf Reisen, inspiriert von den Landkarten von Kuba, Jaimaica, Haiti, Italien, Dalmatien und anderen europäischen Regionen, die in Gold an den Wänden prangen.

Auf der Tafel, an der später die Mittagsgerichte angeschrieben werden, steht noch der Spezial-Cocktail des letzten Abends: Mayamuel. Mate Infused Tequila mit Zitrone und Traube. Klingt interessant. Hat aber auch seinen Preis: 11 Euro. Vielleicht lieber etwas nahrhaftes wie Erbsensuppe mit Zitronengras für 5,50 Euro oder ein Coq au Vin mit Rosmarinkartoffeln für 11,50 Euro. Die Speisekarte liest sich ebenso gut wie die ausgefallene Cocktailkarte und wer Abends vor dem Cocktailtrinken eine gute Grundlage schaffen will, ist in der Goldenen Bar bestens aufgehoben. Für den kleinen Hunger gibt es Snacks wie die Goldene Barfood Variation. Und für Naschkatzen wie mich hausgemachte Kuchen, Torten und Tartes.
Die Goldene Bar
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Öffnungszeiten:
Mo. – Sa. 10:00 – 2:00 Uhr
So. 10:00 – 20:00 Uhr

5.Café im Museum Villa Stuck – Feine Kost im antiken Künstlergarten


Bislang bin ich immer gerne in das Café im Museum Villa Stuck  gegangen, weil die Küche in der Hand von Zimmes & Zores lag, eines meiner Lieblingslokale in Giesing. Seit April ist das Museumscafé ein „Genuss-Raum“ von Feinkost Käfer, die Speisen kommen aus der Manufaktur des Käfer Stammhauses auf der anderen Seite der Prinzregentenstraße. Das steht für feine Küche, ohne Frage. Doch irgendwie fand ich den Wechsel schade. Die Lachs-Quiche bei meinem letzten Besuch hat mich auch nicht zu hundert Prozent überzeugt, obwohl sie schön und dekorativ angerichtet auf einem Holzbrett auf Pergamentpapier daherkam, der Salat dazu im Einmachglas. Sie war etwas zu lange im Ofen. Aber das kann ja mal passieren. Der Apfelstreuselkuchen vom Blech mit Sahne danach hat mich direkt wieder versöhnt. Und das, was meine Tischnachbarn auf dem Teller hatten, sah nicht nur gut aus, sondern schien auch gut zu schmecken. Neben Sandwiches, Wraps und Panini, zwischen 2,90 Euro und 4,90 Euro, kann man u.a. zwischen Karotten-Ingwer-Suppe (5,90 Euro) und verschiedenen Salatan wählen, z. B. Junger Blattspinat mit Granatapfel, Quinoa, Pekannnüssen, Gojibeeren und Schafskäse (8,90). Es gibt Feinkostsalate, ein Tagesgericht und jede Menge Süßes. Die Himbeertarte sieht großartig aus. Das nächste Mal probiere ich die Pariser Trüffeltorte.

Am liebsten sitze ich im Garten auf der Rückseite der Künstlervilla. In dem Künstlergarten mit den Antikenabgüssen und Reliefs feierte Hausherr Franz von Stuck angeblich wilde Feste. Man sitzt hier ruhig und abgeschirmt, eine friedliche Oase. Im Sommer kann es allerdings voll werden im Künstlergarten, nämlich zur Friday Late am ersten Freitag am Monat. Dann setze ich mich gerne mit Getränk und Essen auf die Treppenstufen der Säulenarkaden und beobachte das Treiben. Tagsüber findet man immer einen Platz an einem der weißen Gartentische. Laufpublikum verirrt sich eher selten hierher, dafür liegt die Villa Stuck etwas abseitig. Das Café im Foyer der Villa Stuck wirkt ein bisschen wie ein Palmenhaus, mit den großen runden Fenstern, dem abgehangenen Glasdach und der üppigen Bepflanzung. Das Mobiliar ist stilvoll, klassisch modern. Definitiv ein Ort zum Wohlfühlen.
Café im Museum Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60
81675 München
Öffnungszeiten:
Di. – So.: 11:00 – 18:00 Uhr
Erster Freitag im Monat bis 22:00 Uhr

 

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