Auf ein kühles Getränk unter schattigen Kastanien: Unsere 7 Biergarten-Tipps für München

Auf ein kühles Getränk unter schattigen Kastanien: Unsere 7 Biergarten-Tipps für München: TaxisgartenHeißeTage, laue Nächte, was gibt es im Hochsommer schöneres, als den Feierabend im Biergarten zu genießen? Unsere Autorin Alexandra Lattek stellt ihre 7 Lieblings-Biergärten in München vor, etwas abseits der gängigen „Biergarten-Route“.

Isarrauschen inklusive: Biergarten am Muffatwerk – Biobratwurst, Räuchertofu und Ökoweine
Einer meiner Lieblings-Biergärten in München ist ein Öko-Biergarten. Stopp. Biergartenkost und gesund, ist das nicht ein Widerspruch? Abgesehen von Radieschen und Radi vielleicht, aber was ist mit der Kalorienbombe Obazda und mit den Hendln und Würsten? Wer im Biergarten ohne Reue genießen will, sollte den Biergarten am Muffatwerk besuchen. Hier ist (fast) alles ökologisch, was über die Theke geht – angefangen von fleischigen Schmankerln wie Bratwurst und Gulasch über das naturtrübe Öko-Bier bis zu den ausgesuchten Bio-Weinen. Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten, ohne auf die obligatorische Obazda-Brezn-Radi-Kombination zurückgreifen zu müssen. In der Küche des Biergartens am Muffatwerk werden mediterran inspirierte, vegetarische Gerichte wie gebratener Räuchertofu oder Quiche mit Blattsalat gezaubert.

Wenn ich nicht schon satt wäre von meinen Bio-Bratwürsten mit Kartoffelsalat, würde ich noch einen Topfenstrudel mit Vanillesauce oder einen der Bio-Kuchen und einen Espresso nehmen. Den gibt es hier nämlich auch, zumindest außerhalb der Stoßzeiten. Doch scheinbar ist Kaffee nicht das bevorzugte Biergartengetränk. Die meisten Gäste haben trotz der frühen Stunde – es ist Mittag – ein Bier oder ein Radler vor sich stehen, auch die Grüppchen aus Anzugsträgern mit Aktentaschen, die offensichtlich aus den Büros an der Rosenheimer Straße kommen und ihre Mittagspause hier verbringen. Sie genießen die entspannte, besondere Atmosphäre zwischen Isar, Müllerschem Volksbad und dem ehemaligen Haidhauser Elektrizitätswerk genauso wie die Rentner, Studenten und Touristen, die sich zwar nur selten, aber mit einem guten Reiseführer ausgestattet doch ab und zu hierher verirren, und das ältere Hippie-Paar mit zusammengeklappter Sonnenliege, das hier einen Boxenstopp macht, bevor es wieder zurück zum Baden an die Isar geht.

Ein Besuch im Biergarten am Muffatwerk lohnt sich zu jeder Tageszeit. Während das Gros der klassischen Biergarten gegen zehn seine Lichter ausmacht, kann man hier noch das ein oder andere Glaserl trinken, vielleicht in einem der Liegestühle, und dabei dem Isarrauschen lauschen.
Biergarten am Muffatwerk
Zellstraße 4
81667 München

Im Häusermeer der Maxvorstadt: Max Emanuel Brauerei – Ćevapčići Dürüm meets bayerische Schmankerl
Wenn in den dicht bebauten Straßen der Maxvorstadt zu dieser Jahreszeit der Asphalt glüht, lockt etwas versteckt hinter einer Häuserfront in der Adalbertstraße eine kühle, grüne Oase – der Biergarten der Max Emanuel Brauerei. Wie es sich für einen Biergarten gehört, kann man hier unter einem dichten Kastanienblätterdach durch schnaufen, die Füße im Kies. Sofern man noch einen Platz findet. Es ist Freitagabend, 18.00 Uhr. Und der Biergarten ist voll. Im SB-Bereich sichte ich noch einen freien Platz bei den älteren Herren in Tracht, die gerade auf ihrer schmucken, blau-weiß-karierten Tischdecke die mitgebrachte Brotzeit anrichten.

Die Halbe-Helle-für-Zweizwanzig-Happy-Hour habe ich leider gerade verpasst, die Kasse springt genau um 18.00 Uhr um, erfahre ich vom Kellner. Egal, meinen Durst lösche ich am besten sowieso erst einmal mit einer Halbe Wasser. Und dann werde ich schauen, was ich esse. Vielleicht Ćevapčići Dürüm? Oder türkische Fleischpflanzerl Dürüm? Die gemischten orientalischen Vorspeisen sehen auch sehr lecker aus. Orientalisch? Türkisch? Im Biergarten? Ja, im Selbstbedienungsbereich gibt es neben zwei, drei bayerischen Klassikern in erster Linie orientalisch beziehungsweise osteuropäisch angehauchte Gerichte. Alles frisch und hausgemacht und eine willkommene Abwechslung, wenn man häufiger in den Biergarten geht und nicht immer dasselbe essen möchte. Außerdem ist so eine Portion Couscous- oder Bohnensalat bei den Temperaturen deutlich leichter als ein Obazda.

Für alle, die es kulinarisch traditioneller mögen, gibt es im Bedienbereich auch eine klassische Biergartenkarte mit Wurstsalat, Leberkäse, Schweinebraten und „Internationalen Schmankerln“. Dahinter verbergen sich unter anderem Tiroler Spinatknödel, Schwabenteller und ein Münchner Schnitzel. Nicht wirklich so international, wie ich finde, könnte aber durchaus eine Sünde wert sein, genauso wie das auf einem Holzbrett appetitlich angerichtete riesige Schnitzel Wiener Art, das ich beim Vorbeigehen bei zwei Studentinnen sichte und einfach fotografieren muss. Das Schnitzel sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch hervorragend, meinen die beiden. Und überhaupt sei der Max Emanuel Biergarten der schönste Biergarten, den sie kennen, finden sie. Zumindest einer der schönsten, finde ich.
Max Emanuel Brauerei
Adalbertstr. 33
80799 München

Münchens asiatischer Biergarten: Mangostin Lounge Garden – Sushi und Summer Ale unter Kastanien
Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan der „Loungekultur“ bin – Loungemusik, Loungechair, Loungegarden, yeah! Deshalb fühle ich mich auch so wohl im Mangostin Lounge Garden. Was der im Biergarten-Test zu suchen hat, fragt mich eine Freundin. Es gibt zwar einen Garten und Kastanienbäume, aber sonst? Müsse der mit den gemütlichen riesigen Korbsofas, Hängematten und Buddhafiguren ausgestattete Garten dann nicht Mangostin Beer Garden heißen? Gute Frage. Das Lokal, das einen Katzensprung von der U-Bahnstation Thalkirchen entfernt ist, versteht sich jedoch selbst als „erster asiatischer Biergarten bayerischer Tradition mit fernöstlicher Kultur“, also gruppiere ich ihn auch unter „Biergarten“ ein. Es gibt tatsächlih Bier hier, gekühltes Summer Ale und Kellerbier mit dem klangvollen Namen Mandarina Bavaria zum Beispiel. Aber auch Sommer-Cuvée mit dem Label „Weil das Leben schön ist“, von dem ich ein Schlückchen probieren darf, weil ich eigentlich fruchtig nicht so mag. Sehr fein! Auch wenn das hausgemachte alkoholfreie Ingwerbier oder das thailändische Kokoswasser bei den hitzigen Temperaturen ebenfalls eine gute Alternative wäre.

Wer klassische Biergartengerichte sucht, ist falsch hier. Am Open-Air-Grill, der Salatstation und bei den Wok Specials warten ausschließlich asiatische Köstlichkeiten, angefangen von Thai Chili Burger und Hummer von Grill mit Thai-Cocktailsauce über gebratene Eiernudeln mit Ente bis zu frittiertem Fingerfood wie Süßkartoffel-Wedges oder asiatischen Desserts wie Sesambällchen mit Schoko-Chili-Dip. Klingt alles sehr verlockend, bei 33 Grad ist mir jedoch nach was frischem, leichten. Ich bestelle Sushi, eine gute Wahl. Und der nette Typ an der Garküchentheke findet mich sogar im Garten, als meine Bestellung fertig ist, auf dem Kassenbon hat er „Frau mit grauem Top und Brille“ notiert.

Es geht persönlich zu im Mangostin Lounge Garden Man kommt nicht nur mit dem Personal ins Gespräch, sondern auch mit seinen Sitznachbarn. Wie in einem klassischen Biergarten, ist das Publikum sehr gemischt, von jungen Hipsters über Familien mit Oma, Kind und Kegel über Thalkirchener Rentnerinnen, die nach dem Einkauf im Supermarkt mit dem blau-gelben Logo auf der anderen Straßenseite auf einen Sprizz und ein paar Krabbenchips herkommen, um den Tag ausklingen zu lassen.
Mangostin Lounge Garden
Maria-Einsiedel-Str. 2
81379 München

Österreichflair im Luitpoldpark: Wurst & Bündig bei Zum Ferdinand im Bamberger Haus
Nachdem der Luitpoldpark im Sommer mein zweites Wohnzimmer ist, ist natürlich ein Besuch im neuen Biergarten im Bamberger Haus Pflicht. Nach dem Besitzerwechsel und dem Einzug des österreichischen Spezialitätenrestaurants Zum Ferdinand in das neobarocke Gartenrestaurant wurde der hintere Teil der Terrasse in einen Biergarten mit Selbstbedienung umgewandelt. Zwar sitzt man hier nicht unter Kastanien und auch den Kies findet man eine Etage tiefer auf der Freifläche der Pizzeria Ciao Fransesco, die im Tiefparterre beheimatet ist, doch dafür entschädigen die Bäume und Rasenflächen des umliegenden Luitpoldparks allemal.

Die Schmankerlbrote, die es wahlweise mit Liptauer, Ziegentopfen, Hendlsalat, Bauernspeck, Räucherfisch oder Erdäpfelkas gibt, sehen zwar sehr appetitlich aus, bewegen sich aber für ihre Größe mit 1,60 Euro pro Brothappen preislich eher im oberen Segment. Dann doch lieber etwas aus der Rubrik „Wurst & Bündig“, vielleicht ein Käsekrainer oder Rostbratwürschtl, die es im 6er-, 9er- oder 12er-Set gibt, natürlich mit frischem Sauerkraut.

Die Auswahl im Biergarten von Zum Ferdinand ist klein, aber fein. Wer abseits des Trubels von Hirschgarten, Augustiner & Co Biergartenatmosphäre mit österreichischem Einschlag in einer ruhigen Umgebung genießen will, die schon Prinzregent Luitpold zu schätzen wusste, ist hier genau richtig.
Zum Ferdinand
Brunnerstrasse 2
80804 München

Tradition seit 1924: Taxisgarten – der mit dem grünen Obazda
In den Taxisgarten, der mit 1.500 Plätzen eher zu den „kleinen“ Biergärten der schönsten Stadt der Welt gehört, komme ich am liebsten wegen der leckeren Avocadocreme und dem grünen Obazda. Der wird nach einer hauseigenen Rezeptur hergestellt und schmeckt wirklich sensationell. Die Speisekarte ist riesig in dem Biergarten, der etwas versteckt in einem Wohngebiet in Gern liegt und seit 1924 die Münchner unter die imposanten Kastanienbäume lockt: Es gibt alles an Fleisch, was man sich vorstellen kann: Spareribs, angeblich auch nach einem Geheimrezept zubereitet, Hendl, Backhendl, Scheinshaxen, Bries-Milzwurst und Currywurst, dazu vegetarische Gerichte wie Kaspressknödel, Rahmschwammerl und Kartoffelrosmarinkrapfen. Wem das bei den hitzigen Temperaturen zu schwer und zu warm ist, kann auf die riesige Auswahl an Feinkostsalaten ausweichen oder einen frischen Fisch aus dem Waginger See probieren.

Trotz der üppigen Verlockungen aus der Taxisgartenküche rücke ich jedoch meistens mit Brotzeitkorb an. Dann wird aufgetischt, was der Kühlschrank zu bieten hat und mit frischen Brezn und einem kühlen Hellen vom Bierstand ergänzt, einfach herrlich. Wenn man mit einer größeren Gruppe kommt, sollte man frühzeitig da sein, doch mit ein bisschen Improvisation findet man immer noch irgendwo einen Platz. Und im Biergarten rückt man bekanntlich auch gerne etwas zusammen.
Taxisgarten
Taxisstraße 12
80637 München

Der kleine Bruder: Schinderstadl – Mongdratzerl und bunte Blumen in der Hütte am Flauchersteg
Lange Zeit habe ich ihn links liegen gelassen, den Schinderstadl in den Isarauen, in der Nähe des Flaucherstegs. Ich habe höchstens im Winter mal einen Stopp gemacht, um mich beim Isarspaziergang mit einem Glühwein aufzuwärmen. Doch irgendwann ist mir aufgefallen, dass es wunderschön hier ist, gemütliche, robuste Holzbänke, mit rot-weiß-karierten Tischdecken und frischen Blumen dekorierte Tische, an dem Zaun hinter dem Sitzbereich üppig bepflanzte Blumenkästen, sehr einladend. Für viele ist die kleine Hütte einfach nur ein Imbiss, für mich ein kleiner Biergarten, der eine gute Alternative zum nahegelegenen großen Bruder, dem Flaucher-Biergarten, darstellt. „Wir sind die Vorhut“, lacht die Dame hinter der Theke, bei der ich einen Leberkas mit Kartoffelsalat bestelle, der vorzüglich schmeckt und auf einem Porzellanteller mit Rosendekor serviert wird.

Um die Mittagszeit ist es noch überschaubar hier, ein paar „Locals“ mischen sich mit Touristen, die über ihrem Stadtplan tüfteln und ein paar Radfahrern, die mit einer Maß und ein paar Mongdratzerl auftanken. Die gibt es hier ebenso wie das täglich wechselnde „Stadl’s Schmankerl“ und „Was das Herz begehrt“, darunter fallen Bratwurst, Fleischpflanzerl und Reiberdatschi. Was Süßes und eine Latte Macchiato für den nachmittäglichen Kaffeedurst gibt es übrigens auch hier. Was will man mehr?
Schinderstadl
Isarauen 2
81379 München

Sprung ins kühle Nass: See-Biergarten Lerchenau mit Schänken vom Eiszauber am Stachus
Ich solle nicht nur fotografieren, sondern auch überall erzählen, wie schön es hier sei, meint der Wirt, bei dem ich mein Radler bestelle. Aber gerne doch! Den See-Biergarten Lerchenau empfehle ich uneingeschränkt weiter. Was für ein kleines Stück Paradies, und das nur wenige Busminuten vom OEZ entfernt. Als Liebhaber von kleinen Details begeistert mich alleine schon der Blumenschmuck auf den Tischen und in den schönen Almhütten, die im Winter übrigens als Glühweinstand am Stachus beim Münchner Eiszauber stehen. Doch noch viel besser ist die unbezahlbare Lage direkt am Lerchenauer See, man blickt ins Grüne, kann den Olympiaturm erspähen und den O2-Tower. Die beiden Plattenbauten im Norden des Sees stören dabei nicht, sie gehören irgendwie dazu und zeigen, dass der Biergarten mitten in einem Wohngebiet liegt.

Ich habe den Eindruck, dass hauptsächlich Gäste aus der Nachbarschaft herkommen, zur Mittagszeit viele Rentner, die sich das Tagesgericht, die knusprigen Spareribs oder ein Landhendl schmecken lassen, alles übrigens zu bezahlbaren Preisen. Der Kuchen sieht ebenfalls verlockend aus. Egal ob mit Kaffee, einem kühlen Hellen oder einem Rosato Sprizz: Einfach einen Platz direkt am Wasser suchen und die schöne, unprätentiöse Atmosphäre genießen, den Sitznachbarn zuhören, wie sie über Gott und die Welt philosophieren und vielleicht zum Abschluss noch eine Runde schwimmen gehen. Das werde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall tun. Vielleicht lasse ich dann auch meine Brotzeit zu Hause und probiere den frisch gebratenen Steckerlfisch, der Stand hatte letztes Mal leider zu. Mein Fazit: Ein Kleinod im Münchner Norden, das man unbedingt in seine Biergarten-Route einbauen sollte.
See-Biergarten Lerchenau
Lassallestraße 100
80995 München

Hier finden Sie eine komplette Liste aller Biergärten in und um München.

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