Das moderne, bayerische Wirtshaus: Bayerische Schmankerl im neuen Gewand

Das Bayerische wird dieser Tage an vielen Stellen neu interpretiert, egal ob in der Mode oder beim Essen. Junge bayerische Küche, die Traditionelles mit modernen Einflüssen kombiniert,  findet man in München immer häufiger. Zuweilen in der gewohnt rustikalen Umgebung eines traditionellen bayerischen Wirtshauses, gerne auch in hipperem Ambiente mit Industriechic. Unsere Autorin Alexandra hat sich durch 5 dieser Lokale probiert und nimmt Euch mit auf eine bayerisch-moderne Schmankerltour.

fiedler & fuchs – Alpenländisches neu gedacht und ökologisch

Wenn man nicht aus „Giasing“ stammt, muss man es wenig suchen, das fiedler & fuchs, denn das Lokal versteckt sich mitten in einem Wohngebiet, unweit des Giesinger Bergs. Eine typische Stadtteilwirtschaft, in die sich nur Anwohner verirren? Ganz und gar nicht, dank seiner bayerisch-tirolerischen Küche mit Pfiff hat sich das fiedler & fuchs weit über die Grenzen von Untergiesing einen Namen gemacht. Regional, saisonal und ökologisch ist das, was in der offenen Küche hinter der Glasscheibe gebruzzelt wird. Und alpenländisch, mit einer Prise internationaler Küche.

Aus dem Stall und von der Weide? Oder aus dem Wasser? Alles auf der Karte klingt köstlich, sei es der Zwiebelrostbraten vom Allgäuer Färsenrind mit Kartoffelrösti und der Krustenbraten vom Ökoschwein oder das Zitronen-Risotto mit Tegernseer Lachsforellenfilet und Amalfi Zitrone. Auch Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten, österreichisch inspirierte Spezialitäten wie mit Hüttenkäse und Spinat gefüllte Schlutzkrapfen lassen das Wasser im Mund ebenso zusammenlaufen wie die Kärntner Nudeln. Und erst der Nachtisch, die Bayerisch Creme wird nur noch getoppt von den Marillenknödeln. Ich entscheide mich für das Zitronen-Risotto, schön cremig, aber gerade knackig genug. Ich bin mit meinen Eltern im fiedler & fuchs und nutze die Gelegenheit, vom Zwiebelrostbraten und Krustenbraten zu naschen. Beide extrem zart und saftig, zum Niederknien.

Je später der Abend, desto mehr Gäste im fiedler & fuchs, was den Lärmpegel leider aufgrund der hohen Decken des Lokals ziemlich nach oben treibt. Ansonsten ist das fiedler & fuchs ein Laden zum Wohlfühlen. Die Werkstattlampen verleihen dem ganzen einen gewissen Industriechic und bilden einen interessanten Gegensatz zu dem altem Wirtshausmobiliar aus dem Braustüberl am Tegernsee, den gelb gestrichenen Wänden und den frischen Blumen auf dem Tisch.
fiedler & fuchs
Voßstr. 15
81543 München
Mo – Sa: 11:00 – 1:00 Uhr
So: 10:00 – 1:00 Uhr

Wuid Barwirtschaft – Veganes und Fleischiges, nicht nur für wilde Kerle

Wuid“ geht es höchstens zur späteren Stunde zu, in der Wuid Barwirtschaft. Oder am Dienstag, wenn die Zeichen auf Gin stehen und man sich aus verschiedenen Sorten Gin und Tonic sein Gin Tonic selbst zusammenstellen kann. Ansonsten ist es loungig-gemütlich in der Wuid Barwirtschaft, in die ich am liebsten eingezogen wäre. Genauer gesagt in den Lounge-Bereich mit der knautschigen Couch, der mit Kuhfell bezogenen Sitzbank und den Holzhockern. Zusammen mit den Kerzen und Kissen wirkt es hier ein bisschen wie in einem stylishen Alpenchalet, anstelle eines Hirschgeweihs hängt an den dunkelgrau im Industrielook gestrichenen Wänden ein Büffelkopf.

Da Konzept „Wuid“ zieht sich durch die Speisekarte – Wuider Freddy, das ist ein Rindergulasch mit Breznknödeln, und Wuide Hennah, Hähnchenschenkel in Honig-Orangen-Sauce mit Birnenkroketten. Wer es vegetarisch möchte, entscheidet sich für Narrische Schwammerl. Burger-Fans sollten den Da Kini probieren, ein bayerischer Burger mit Pulled Pork und Pommerysenfsoße. Schweinsbraten sucht man hier vergebens. Dafür muss man auf klassische Wirtshauskost wie Fleischpflanzerl nicht verzichten. Die heißen hier Wuidera und werden mit einem würzigen, lauwarmen Bratkartoffelsalat serviert. Ich probiere den Veganen Bayer, dahinter verbirgt sich ein veganes Gemüsepflanzerl auf einem Allerlei an Gemüse und Cous Cous. Lecker, doch ich bin etwas neidisch, als am Nebentisch der Da Kini serviert wird. Dafür gönne ich mir einen Nachtisch, einen Quarkknödel mit Mohn und zerlassener Butter. Himmlisch. Danach am besten eine der Jägermeister-Kreationen des Hauses, einen Jäger Ginger oder einen Jäger Rudi.
WUID BARWIRTSCHAFT
Humboldtstr. 20
81543 München
Mo – Do: 17:00 – 01:00 Uhr
Fr – Sa: 17:00 – open end

Giesinger Garten – Stramme Lotte trifft auf Bavarian Burger

Und nochmal geht es nach Giesing, in den Giesinger Garten. Hier kennt man sich, vielleicht noch aus der Zeit, in der in dem Haus nahe dem Hans Mielich Platz ein italienisches Restaurant beheimatet war. Die Pizza ist münchnerischen und bayerischen Klassikern sowie internationalen Gerichten mit bayerischem Touch gewichen, die an hellen Holztischen verspeist werden. Rustikal-gemütlich geht es hier zu, in dem im klassischem Wirtshaus-Design gehaltenen Lokal mit dem Fischgrätenparkett und den historischen Fotografien an den Wänden.

Ich wähle ein Münchner Schnitzel mit Bratkartoffeln und dazu einen Extra-Salat. Der Renner bei meinen Bloggerkollegen, mit denen ich mich öfters hier treffe, ist der Bavarian Burger, mit Bavaria Blue, Speck und roten Zwiebeln. Eine ordentliche Portion, ebenso wie die Spinatknödel in brauner Butter mit Rucola. Wie eigentlich alles hier, und das zu fairen Preisen. Groß und lecker sind auch die Cocktails im Giesinger Garten, für ein bayerisches Wirtshaus ist die Cocktailkarte richtig üppig. Man kann auch gut frühstücken im Giesinger Garten. Giesing-Style, mit einem Giesinger Bauernschmaus oder einem Giesinger Klassiker. Oder mit einer Strammen Lotte.
Giesinger Garten
Gerhardstraße 4
81543 München
Mo – So: 10:00 – 1:00 Uhr

Zur Schwalbe – bayerische Kost vom Sternekoch

Liest man die wechselnde Speisekarte im Heimatfood – Zur Schwalbe, erkennt man sehr schnell – 08/15-Wirtshausessen gibt es hier keines. Bayerische Kost, ja. Aber was für eine. Da werden simple Zutaten wie Kohl, Schwarzwurzeln und Grünkohl und Fleisch zu bodenständigen, aber gleichzeitig raffinierten Gerichten komponiert. Lauwarmer Grünkohlsalat mit confierter Ente als Vorspeise zum Beispiel. Danach darf es ein Bayerisches Reh sein, etwas Ragout und etwas rosa Gebratenes, zusammen mit Weißkraut, Champignons und Fingernudeln. Oder Bierzwiebeln mit Hackfleisch und Kartoffel-Schwarzwurzelsalat. Alles saisonal und regional, versteht sich. Denn darauf legt der Koch höchsten Wert. Im Heimatfood – Zur Schwalbe kocht nicht irgendwer, sondern ein Sternekoch. Karl Ederer, der einst selbst ein Lokal in der Innenstadt besaß und in den Gourmettempeln Tantris und Aubergine am Herd stand.

Ein traditionelles Wirtshaus wie das Zur Schwalbe habe er immer gesucht, heißt es. Ich kenne das Zur Schwalbe noch aus der Zeit, in der es noch nicht den Beinamen „Heimatfood“ trug und ein simples Wirtshaus war, ein Wohnzimmer für die Westendler, seit über 100 Jahren, in dem man auch kegeln kann. Das kann man auch heute noch, lerne ich. Wer nicht kegeln will, sitzt im gemütlichen Wirtsraum, im Sommer lockt der Biergarten im Innenhof. Im Zur Schwalbe Heimatfood muss man etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, auch sind die Portionen nicht wahnsinnig riesig. Wer sich jedoch einmal von einem Sternekoch bekochen lassen will, ohne eines der einschlägigen Gourmetrestaurants aufzusuchen, ist hier bestens bedient.
Zur Schwalbe – HEIMAT-FOOD
Schwanthalerstraße 149
80339 München
Di – Fr: 12.00 – 15:00 | 18:00 – 23:00
Sa u. So: 18:00 – 23:00
Mo: Ruhetag

Bazi’s Schlemmerkucherl – Schweinsbraten To Go in der Bento-Box

Schweinsbraten To Go in der Pappschachtel, wer hat sich das denn ausgedacht? Zwei Jungunternehmer, die des typischen Fast-Food-Einerleis überdrüssig waren und für ihr innovatives Gastro-Konzept sogar einen Preis eingeheimst haben. Die Goldene Palme kann man an den holzverkleideten Wänden des gerade mal 10 Quadratmeter großen Lokals in der Müllerstraße bewundern, eingerahmt von weiß-blauen Fahnen und Oktoberfestherzen. Bayernfolklore pur. Traditionell und modern, so beschreibt das türkisch-iranische Duo, das das Bazi’s Schlemmerkucherl betreibt, seine Küche.

Ich füge hinzu: Bayerisch-international. So wie der Bayrito, der mit Schweinsbraten, Kraut, Knödeln und Bratensoße in einen Maisfladen gerollte bayerische Burrito. Der Kassenschlager ist die Bazi-Box. Mit einer solchen sitze ich mittags an dem Hochtisch, dem einzigen übrigens, und bin neugierig, was sich in der im bayerischen Look designten Pappbox befindet. Schweinsbraten, Krustenstücke, Kartoffelknödel und Blaukraut, dazu ein wenig Soße. Alles mundgerecht geschnitten, denn man kann das Ganze auch mitnehmen und „on the go“ verspeisen. Als jemand, der häufiger mittags nach einer Gelegenheit für ein schnelles Mittagessen sucht, finde ich: Schmackhaft, ein cooles Konzept und eine willkommene Abwechslung zur Leberkässemmel auf die Hand.
Bazi’s Schlemmerkucherl

Müllerstraße 43
80469 München
Mo: geschlossen
Di – Do: 11:30 – 23:30
Fr u. Sa: 11:30 – 05:00
So: 16:00 – 22:00

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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich glaube es ist mittlerweile eher eine Herausforderung ein traditionelles Restaurant , abseits der Touri-Meilen zu finden 🙂

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