Arnie, Lenin & Co: Wo berühmte Münchner lebten

München: Wo die Promis wohnten c Michael Nagy

Dass der Ex-Gouverneur und „Terminator“ mal an der Isar wohnte – wer hätte das gedacht? Aber auch ein damals noch unbekannter Russe namens Wladimir Iljitsch Uljanow fand hier Unterschlupf. Unsere Autorin Margot Weber hat sich mal auf die Spuren von fünf sehr unterschiedlichen Münchner Bürgern begeben.

Arnold Schwarzenegger Christophstr. 1 / Schillerstr. 36
Bodybuilder Arnie kam 1966 aus seinem Steiermärker Dorf in die große Stadt – er hatte in München einen Job als Fitnesstrainer gefunden. 19 Jahre war er da alt. Das Studio, in dem er arbeitete, befand sich in der Schillerstraße 36, nicht weit vom Hauptbahnhof. Heute ist dort das Hotel Brunnenhof; damals war dort im 2. Stock ein Sportstudio untergebracht. Der Job war perfekt für ihn – so konnte er den ganze Tag trainieren. Mit sensationellem Erfolg: 1967 wurde er zum ersten Mal „Mr. Universum“. Zur Arbeit fuhr er in einem hellblau-weißen Ford Taunus von 1958, mit dem er und seine Münchner Freunde damals auch gern über die Leopoldstraße cruisten. Seine Unterkunft war eher schlicht: Finanziell reichte es nur zu einer Einzimmer-Wohnung im ersten Stock in der Christophstr. 1, heute schräg gegenüber vom Haupteingang zur Bayerischen Staatskanzlei. Als Arnie 1968 seinen zweiten „Mr. Universum“-Titel gewinnt, macht er seinen Traum wahr und wandert im Sommer nach Amerika aus. Über seine zwei Münchner Jahre spricht er nie. Sein Biograph Marc Hujer vermutet, weil sie „ein dunkler Fleck in seinem Leben“ waren. Es war offenbar eine schwierige persönliche Zeit: Im München der Swinging Sixties galt der Muskelmann als „Rüpel“ und „Rebell“, so Hujer. Erst in den USA schafft es Schwarzenegger, sein Charisma und seine Ausstrahlung in die richtigen Bahnen zu lenken, eignet sich Manieren und Bildung an. Ab 1973 studiert er BWL, wird 1983 US-Bürger, dreht 1984 „Terminator“, heiratet 1986 in den Kennedy-Clan ein, steht 1990 für „Total Recall“ vor der Kamera und wird 2003 Gouverneur von Kalifornien.  

Lenin Kaiserstr. 46 / Schleißheimer Str. 106 / Siegfriedstr. 14
Anfang September 1900 zieht ein Herr Meyer, damals 30 Jahre alt, in ein Zimmer in das Haus Kaiserstr. 53 (heute 46) in Schwabing ein. Das Haus gehört einem Münchner Sozialdemokraten namens Georg Rittmeyer, der im Erdgeschoss ein Lokal eröffnet hatte, das schnell zum Treffpunkt von Genossen geworden war. Herr Meyer ist illegal in München, hat einen starken russischen Akzent und verbringt seine Tage in der Bayerischen Staatsbibliothek, um politische Artikel zu schreiben – er will von Deutschland aus eine Zeitung herausgeben, die in ganz Russland Verbreitung finden soll. Entwickelt hatte er diese Idee in seiner dreijährigen Verbannung in Südsibirien. Unter seinem Geburtsnamen, Wladimir Iljitsch Uljanow, konnte er seine Texte allerdings nicht veröffentlichen, weil er auf der Flucht und untergetaucht war, also legte er sich im Dezember 1900 in Schwabing den Decknamen zu, den er fortan verwenden sollte: „Lenin“. Als seine Frau nach München nachkommt, zieht das Paar im Frühjahr 1901 in die Schleißheimer Straße 106 – lebt dort allerdings erneut nur zur Untermiete und erneut in einem einzigen Raum. Nach nur vier Wochen sind die Zustände auch dort nicht mehr erträglich – acht Personen in zwei Zimmern –, und die Revolutionäre beziehen als bulgarische Familie Jourdanoff eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Siegfriedstr. 14, dem Eckhaus zur Clemensstraße. Doch auch da ist natürlich wieder kein Platz: In einem Raum befindet sich die Redaktion seiner Zeitung, im zweiten wohnt Elisabetha Wassiljewna, die Mutter seiner Frau, und im dritten das Ehepaar selbst. Am 12. April 1902 wird den nach wie vor illegal in München lebenden Uljanows das Pflaster an der Isar zu heiß, sie verkaufen ihre Möbel und gehen nach London.

Sophie und Hans Scholl Franz-Joseph-Str. 13 / Leopoldstr. 38
Eine Gedenktafel am Vorderhaus der Franz-Joseph-Str. 13 erinnert an sie. Dort liest man: „Sophie und Hans Scholl: Die unter dem Zeichen der ‚Weißen Rose’ aktiven Widerstand gegen das Dritte Reich geleistet haben, wohnten von Juni 1942 bis zu ihrer Hinrichtung am 22. Februar 1943 hier im Rückgebäude.“ 300 Meter von der Leopoldstraße entfernt und einen Kilometer vom Hauptgebäude der LMU leben die Geschwister hier im Hinterhaus. Ihre Flugblätter, die zum Widerstand gegen den Terror der Nationalsozialisten aufrufen, drucken sie im Keller der Leopoldstraße 38. Zu jener Zeit besitzt der Architekt Manfred Eickemeyer im Garten des Hauses ein Atelier, in dem auch die Lese- und Diskussionsabende der „Weißen Rose“ stattfinden. Heute befindet sich auf dem Gelände der Neubau der Munich Re mitsamt dem 17 Meter hohen „Walking Man“ von Jonathan Borofsky. Als Hans und Sophie im Januar 1943 im Lichthof der LMU ihre Flugblätter über die Brüstung werfen, werden sie von einem Pedell – einem Hörsaaldiener – entdeckt und von ihm der Gestapo übergeben. Im Justizpalast am Stachus wird den Geschwistern der Prozess gemacht; in Stadelheim werden sie mit der Guillotine enthauptet. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof am Perlacher Forst. Sophie wurde 22, ihr Bruder Hans 25 Jahre alt.

Erich Kästner Fuchsstr. 2 / Flemingstr. 52
Der Mann, der so bezaubernde Kinderbücher schrieb, zieht zu Anfang des Jahres 1946 in die Fuchsstr. 2. Es ist ein großes Haus und liegt in einer ruhigen Wohnstraße hinter der Münchner Freiheit; heute erinnert an der Außenwand – mittlerweile befindet sich dort ein Studentinnen-Wohnheim – eine kleine Gedenktafel an ihn. Erich Kästner ist gebürtiger Dresdner, kommt nach dem Krieg aus Berlin über Tirol nach München. Bis 1948 leitet er an der Isar das Feuilleton der „Neuen Zeitung“, gibt eine Kinder- und Jugendzeitschrift heraus und schreibt Texte für das Kabarett und den Hörfunk. Der elegante ältere Herr ist eine Nachteule: Gegen Mitternacht wird er langsam munter, geht erst ins Bett, wenn der Morgen graut – und schläft dann bis Mittag. Sein Lieblingsgetränk: Champagner. Sein liebstes Hobby: leidenschaftliche Affären mit schönen Frauen, möglichst parallel geführt. Die kleine, möblierte Schwabinger Wohnung teilt er sich mit seinem Kater. Arbeiten, also Schreiben, will und kann er dort allerdings nicht, er ist ein typischer Kaffeehausliterat, braucht das Geplapper und die Gasthaus-Atmosphäre. „Das doppelte Lottchen“ und „Die Konferenz der Tiere“ entstehen in den Schwabinger Nachkriegsjahren. 1953 zieht er um: zwar an den noblen Herzogpark, aber dort in ein vergleichsweise bescheidenes Häuschen in der Flemingstr. 52. 1974 stirbt er im Klinikum Neuperlach an Speiseröhrenkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem kleinen Bogenhauser Friedhof.      

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  1. Super interessanter Artikel. Wenn ich nun morgens auf dem Weg zur Arbeit durch die Fuchsstraße laufe, muss ich immer an Herrn Kästner denken. Vielleicht könnte man noch den ein oder anderen Fußballer in der Liste aufnehmen!?

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