Arbeiten wie Erich Kästner: Münchner Cafés mit WLAN Zugang

Arbeiten wie Erich Kästner: Münchner Cafés mit WLAN Zugang: Macbook und CafeDass wir heute mit dem Rechner im Café sitzen , ist nichts Neues. Erst recht nicht in der Literaturstadt München. Viele Kreative haben schon früher ihre Arbeit mit ins Café genommen. Margot Weber hat das für uns mal recherchiert.

Der berühmteste Münchner, der statt im Büro oder daheim lieber im Café gearbeitet hat, war der Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974). Im heutigen „Bachmair-Hofbräu“ an der Leopoldstraße etwa, in dem bereits Karl Valentin auf der Bühne stand. Dort entstanden seine Artikel für die Münchner „Neue Zeitung“, bei der er nach dem 2. Weltkrieg für einige Jahre Feuilletonchef war, dort schrieb er aber auch Briefe an Freunde, Bekannte und Leser oder verfasste Kabarettexte. Champagner trank er währenddessen zwar am liebsten, aber letztlich war ihm der gastronomische Aspekt egal. Er brauchte einfach das Gefühl von Leben um sich herum. Nur so konnte sein Gehirn – wie er es nannte – „dichten und denken“.

Für ihn war das schon immer so gewesen. Bereits 1928 hatte er das Kaffeehaus in einem Feuilleton als „Wartesaal der Talente“ beschrieben. Dort gebe es Menschen, die „seit zwanzig Jahren, Tag für Tag, aufs Talent warten“. Kästner schrieb: „Es ist ein infernalisches Gewirr von Charakterköpfen und solchen, die es sein wollen. Der erste Eindruck, den man hat: Haare, Mähnen, Locken, die bedeutend ins Gesicht fallen. Der zweite Eindruck: Wie oft wird hier die Leibwäsche gewechselt?“. Man lese „Berge von Zeitungen“ und warte, „dass das Glück hinter den Stuhl tritt und sagt: ,Mein Herr, Sie sind engagiert!’“

Seitdem hat sich vieles verändert. Vor allem natürlich, dass wir inzwischen am Computer arbeiten und uns nicht mehr mit Notizblock und Bleistift ins Café setzen. Doch wer seinen Laptop immer dabei hat, will auch kostenloses WLAN. Leider sind die Münchner Cafés damit noch nicht wirklich flächendeckend ausgestattet. Die Starbucks-Filialen sind – vor allem für amerikanische Touristen – in der Regel die erste Anlaufadresse. Meine persönlichen Top-4-Lieblingscafés zum Arbeiten und Surfen sind allerdings diese:

Café Ringelnatz, Altschwabing, Haimhauserstr. 8
Wenn ich mich wie ein neuzeitlicher Erich Kästner fühlen will, komme ich hierher: Nettes Personal, eine Oase der Ruhe im oft überlaufenen Altschwabing, hochwertiges Bio-Food (Quinoa!) und kostenloses WLAN. Der Namenspatron des Cafés, der Dichter Joachim Ringelnatz, hat selber einst gern im Kaffeehaus seine satirischen Texte geschrieben.

Literafe, nordwestliche Maxvorstadt, Georgenstr. 105
Literafé – das bedeutet: Literatur und Café in einem. Eine kleine Buchhandlung mit Wohnzimmer-Atmosphäre und kostenlosem WLAN. Es gibt Romane, Krimis, Sach- und Kochbücher, aber auch täglich wechselnde Mittagsangebote, Suppen und Salate. Und natürlich auch frische hausgebackene Kuchen, Waffeln, Crêpes und abends Brotzeit und kleine Snacks.

Daddy Longlegs, Maxvorstadt, Barer Straße 42
Falls mir nach gutem, reichhaltigem Frühstück ist, radle ich Richtung Pinakotheken. Denn im Daddy Longlegs gibt’s große Schüsseln mit super leckerem, gesundem Obstfrühstück – genauer gesagt: natürliches, tiefgekühltes Fruchtmus aus der Açai-Beere. Es wird mit einer frischen Banane und etwas Naturjoghurt zu einem cremigen Püree aufgeschlagen, das mit frischem Obst und Knuspermüsli garniert wird.

Black Bean, Schwabing, Münchner Freiheit 12
Auch dieser Text entsteht gerade, wie könnte es anders sein, im Kaffeehaus. Aber in einem des 21. Jahrhunderts, genauer gesagt: im „Black Bean“ mit Blick über die Münchner Freiheit. Ein bunt gemischtes Publikum, vom Student bis zum Alt-68er. Es gibt kostenloses WLAN, immer viel zu gucken und sehr guten Kaffee – was braucht man mehr?

Und noch ein Extra-Tipp: Selbst wenn Cafés z.B. am Marienplatz, Odeonsplatz, Rotkreuzplatz, am Stachus oder am Sendlinger Tor kein WLAN haben – dort ist das Gratis-WLAN der Landeshauptstadt zu empfangen. Einfach auf M-WLAN Free Wi-Fi gehen, auf „verbinden“ klicken und die Nutzungsbedingungen akzeptieren.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schon merkwürdig, dass es nötig ist sich darüber noch Gedanken zu machen in der heutigen Zeit. Öffentliches W-LAN ist ja kein altes Thema, sondern politisch aktuell. Aber schön, dass man sich hier zu helfen weiß und Ratschläge teilen kann.
    PS: Ich bin für flächendeckendes W-LAN in Deutschland. 😉

  2. Vor zwei Wochen habe ich Deutschland und besonders München besucht, es ist lang hier das ich in der Statt waren. Damals in der 80er Jahren habe ich als Fotograf die Schule besuchten müssen um meine Beruf weiter zu machten und ich als Ami habe ich meine Meister in der Fotografie gemachen (1982-1983) wie wir alle gemacht haben es waren die Zeit? Ich habe in Bad Tölz beruflich gearbeitet von 1975- bis 1996. Heute bin ich alte aber bin immer noch beschäftigt als Berufs Fotograf und social marketing Journalist;-
    Um somit wollte ich die Lehranstädt für Photographie als Neugier besuchten. Es liegt damals auf Clemmens Str., 33- aber jetz scheint als Apartments für auslander? Als ich dort war habe ich zu Este gemeint es war die falsche Adressen? ist der Schule oder die Lehranstädt für Photografie aufgelöst? (Clemmensstr.,- 33, in Schwabing) –es war damals ganz anders? Ist die schuleumgezogen? Ich weiß das man kaum Heutezutage braucht keine Meisterbrief für fotografen aber auf die Uni oder wo Anderson „Minger“ gibt’s es nicht? Können Sie mir es erkäaren was damit passiert ist?

    Mit freundlichen Grüßen –

    Bill Sutherland
    Fotografen Meister
    http://Www.bill-Shoots-People.com
    Virginia, USA-

    • Lieber Bill,

      die Räume der Staatliche Fachakademie für Fotodesign in der Clemensstraße 33 wurden 2004 aufgelöst. Die Ausbildung findet jetzt an der Fachhochschule München statt.
      Lieben Gruß nach Virgina aus München
      Maggie

  3. Im Rroom der Lothringer13 Halle, einem Kunstraum der Stadt München, kann man bei Kaffee oder einem Kaltgetränk in einer feinen Auswahl an Büchern und Magazinen schmökern, sich über aktuelle Kulturtipps informieren sowie sich per freiem W-LAN mit der Welt vernetzen.

  4. Danke für die tolle Auswahl an Cafés. Bin schon länger auf der Suche nach Cafés mit Wlan in München. Jetzt bin ich hier auf dem Blog fündig geworden! Werde einige ausprobieren.

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