Döner, nein danke! Altschwabing mal anders

Lange war das kleine Areal östlich der Leopoldstraße als Touristenfalle verschrien. Doch inzwischen gibt’s dort viel mehr als Pizza und Döner auf die Faust! Unsere Autorin Margot Weber hat sich jetzt mal dort umgesehen. Und war erstaunt, wie sehr sich das Viertel gewandelt hat.

Münchner Freiheit von Renate Poßiel

Als nach dem Abriss der legendären Schwabinger 7 im August 2012 die Fliegerbombe  gefunden wurde, waren wir Schwabinger tagelang in Aufruhr. Auch ich, weil ich – so gerade noch – im Sperrgebiet wohnte. In den Monaten darauf bin ich immer mal wieder an der imposanten Baugrube vorbeigefahren, um zu sehen, wie die Arbeiten vorankommen. Und ob das Riva, eine meiner Lieblings-Pizzerien, bald wieder öffnet – es war von der Sprengung arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Dabei hat das Viertel eine berühmte Tradition!
In der Feilitzschstr. 3 etwa malte Paul Klee, in der Nr. 32 schrieb Thomas Mann die Buddenbrooks, in der Nr. 36 lebte der Simplicissimus-Zeichner Olaf Gulbransson. Und direkt ums Eck, in der Mandlst. 26, wohnte der österreichische Grafiker und Schriftsteller Alfred Kubin, ein Mitbegründer der Neuen Künstlervereinigung München. Daran erinnerte allerdings um die Jahrtausendwende nur noch wenig: Die Straßenzüge wurden beherrscht von Turnschuhläden, Spiele-Centern, karibischen Cocktail-Bars und Dönerbuden.

Aber die Gegend hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt.
Es fängt schon damit an, dass das Designkonzept der kürzlich renovierten U-Bahn-Station Münchner Freiheit vom renommierten Lichtkünstler Ingo Maurer stammt. Endlich ist das krachende Siebziger-Jahre-Orange verschwunden, stattdessen gibt’s leuchtend gelbe Wände, blaue Lichtstelen-Pfeiler und eine komplett verspiegelte Decke. Und die Seerose ist heute ein gehobener Italiener, nennt sich Birreria e Trattoria – und ist immer einen schnellen Lunch wert.

Aus dem einst etwas merkwürdigen Kiosk St. Moritz gegenüber der Katholischen Akademie ist ein ebenso stylisches wie lässiges Mini-Café geworden – mit Outdoor-Tischchen, Liegestühlen und kleiner Sonnenterrasse. Auch das Vereinsheim, Lieblingslokal der Sportfreunde Stiller, lohnt einen Besuch, ebenso wie das neue, außergewöhnlich schöne Occam Deli, das ganz im Manhattan-Style daherkommt: Man kann frühstücken, zu Mittag oder zu Abend essen, die nötigsten Grundnahrungsmittel einkaufen oder auch Speisen und Getränke mitnehmen.

Wer Kabarett und Kleinkunst sehen möchte – die alteingesessene Privattheater-Garde trotzt all den Veränderungen und ist erstaunlicherweise immer noch da. Also die Lach & Schieß, das Rationaltheater und das TamS, das die Süddeutsche Zeitung mal ein „Welthinterhoftheater“ nannte. Neu hinzugekommen ist das Heppel & Ettlich, das vor ein paar Jahren aus der Kaiserstraße ins Drugstore umgezogen ist.

Wo ich noch nie war, was mir aber immer empfohlen wird: der Werneckhof. Der hat aktuell einen Michelin-Stern und eine besonders attraktive Weinkarte, aber natürlich auch durchaus knackige Preise. Aber: der erst 30-jährige Küchenchef Tohru Nakamura kocht dort erst seit 1. April 2013 und wurde bereits im diesjährigen Gault Millau zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt – eine der höchsten Auszeichnungen, die der französische Gourmetführer zu vergeben hat.

Zum Schluss noch mein garantiert kostenloser, aber genauso exklusiver Geheimtipp für Altschwabing: St. Sylvester ist die frühere Dorfkirche Schwabings und eine der ältesten der Stadt. Erstmals wurde sie 1315 erwähnt; vermutlich stand das erste Gotteshaus hier aber schon bereits 782. Im Innenhof ist es immer ruhig und lauschig.

Foto Münchner Freiheit von Renate Poßiel

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, eine Wohltat, dass die prolligen DÖnerbuden zum Großteil endlich weg sind, deren LAufkundschaft war schon gewöhnungsbedürftig!Das Riva ist mir schon a bisserl zu schickimicki, aber das Occam Deli ist echt eine Bereicherung für die Gegend. Die Preise sind in beiden Lokalen zwar nicht ohne, aber mei, ’s is halt Minga.

  2. Die berühmten Traditionen waren mir bis dato nicht bekannt. Schön davon zu erfahren. Dönerbuden sind was für Berlin, Minga bleibt Minga.

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